DER BETTELSTUDENT - EINE DEMOKRATISCHE OPERETTE

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Dieser Artikel ist in der MSZ 1-1989 erschienen.

DER BETTELSTUDENT - EINE DEMOKRATISCHE OPERETTE

Hast du dort oben vergessen auf mich?

Der Student '89, auch wenn er sich etwas theatralisch und übertrieben äußert - und, heimlich oder unheimlich, mit dem Vergleich zur alten Studentenherrlichkeit operiert -, macht sicherlich so manche schlechte Erfahrung. Wohnungsprobleme, Geldmangel, Gerangel um Plätze - besonders lustig ist das Studikerleben unter den bildungspolitischen Auflagen der Wende-Regierung nicht. Allerdings wäre der Student '89 in der Geschichte der Demokratie ein absolutes Novum, würde er bloß deswegen protestieren, demonstrieren und "streiken". Einfach bloß so den durch übergeordnete Interessen verletzten Materialismus zu entdecken, sich darüber zu empören und auf Abhilfe zu sinnen - darauf kommt er genau so wenig, wie beschäftigte oder gefeuerte Stahlarbeiter oder drangsalierte Arbeitslose. Da muß schon die tiefempfundene Überzeugung hinzukommen in einem Recht verletzt worden zu sein: ihm eigentlich Zustehendes wird ihm vorenthalten. Ohne den Nachweis, sich in jeder Hinsicht in Einklang mit den in der Rechtsordnung kodifizierten Interessen der Gesellschaft zu befinden, will Student '89 - gerade wenn es ihm nicht so übermäßig geht - auf keinen Fall antreten. Ohne die Weihe durch einen über ihm stehenden, unpersönlichen Titel, hätte er seiner Meinung nach gar kein Anliegen.

Hat er nicht die Befähigung zum Studium nachgewiesen und ist er nicht mit dem höchstoffiziellen Anrechtsschein auf Zutritt zu den obersten Ausbildungsstätten der Nation versehen worden? Hat man ihm nicht zugesichert, daß er dort seine Befähigung frei entfalten und seinen Leistungs- und Lernwillen unter Beweis stellen könne? Statt dessen muß er feststellen: Bevor es überhaupt zum Studium im vorgestellten Sinne kommt, sind lauter Hürden und Hindernisse "unwissenschaftlicher" Art zu überwinden, die sich auch mitten im Studieren laufend störend bemerkbar machen. Nun ist der Student am vorläufigen Ziel seiner Wünsche, aber es fehlt an der materiellen Ausstattung, die einen Ausbildungsplatz erst so richtig zu einem Ausbildungsplatz werden läßt. Studieren können ist erst einmal alles, was der Student als ihm zustehend beansprucht - aber dafür hat er etliche (neue) Vorleistungen zu erbringen, die ihn am Studium hindern.

Freilich wäre auch dieses verletzte Recht(sempfinden) nicht bis zum lautstarken Protest gediehen, hätte sich nicht die Öffentlichkeit des Themas "Studentennot" angenommen. Abgesehen davon, daß sie dem Wissensdurst der künftigen gebildeten Stände prinzipiell wohlwollend gegenübersteht - solange er sich auf den anerkannten Kanon stürzt -, mußten schon noch ein paar Warner in verantwortlichen Positionen auftreten, die sich um die "High-Tech-Zukunft" der BRD Sorgen machten und daran auch ein paar Erörterungen über einen möglicherweise defizitären Zustand des dafür vorgesehenen Leitungspersonals anschlossen. Da mußte nur noch der kritische "Spiegel" herausfinden, daß dem Studentenvolk weder Faulheit noch böser Wille nachzusagen sei, vielmehr es in seinem Tatendrang ungeschickterweise behindert werde - da wußte der Student: Wenn die das schon sagen, muß ich es wohl auch sagen können dürfen müssen. Studentenvertreter, schon immer mit einem besonderen Sensorium für die Unerträglichkeit des Studiums, aber auch mit ziemlicher Verzweiflung über die "Lethargie der KommilitonInnen" ausgestattet, sahen nun ihre Chance - und fanden Gehör.

Gar dünn ist mein Wams...

Das Anliegen des Protestes ist und bleibt es, dem geneigten Publikum das verletzte Recht vorzustellen. Mehr als dies, samt der daran anknüpfenden vagen Hoffnung, irgendeiner aber schon einer, der was zu sagen hat - möge sich der Sache annehmen, ist nicht vorgesehen. Ausführliche Schilderungen der miserablen Situation sind das A und O aller "Agitation". Vertreter aller Fachbereiche können nicht genug bekommen an wechselseitigen Berichterstattungen, was bei ihnen alles im Argen liegt. Das Deuten auf die Mißstände läßt keinen Zweifel daran, welche Ungerechtigkeit vorliegt: ein stimmungsförderndes und kugelfestes Verfahren, da die Sicherheit, sich im Recht zu befinden, eben auch schon vorliegt. Dies für langweilig zu befinden, ist nicht erlaubt, da ein grober Verstoß gegen die hier sich äußernde Betroffenheit, die ein Abstandnehmen von sich selbst, ein klein wenig Abschweifen ins Weißwarum, geradezu als Anschlag auf ihre waldursprüngliche Berechtigung betrachtet. Erlaubt ist hingegen der leise Zweifel, ob denn auch die eigenen Sorgen als "konkret und schlagend" genug kenntlich sind, also in der Konkurrenz aller Jammerer bestehen können. Da muß Drastik her, am besten als "drastischer Witz", weswegen ein überdimensionales "Wohnklo, 600.- DM kalt" oder ein "Praktikumsplatz, um den sich 30 Studentlnnen prügeln", gern gesehene "Argumente" sind, obwohl oder gerade weil sie die Grenzen des Anstands schüchtern streifen. Trotzdem: Einleuchtend kann das nimmermüde Aufzählen schlechter Erfahrungen nur sein, weil das wirkliche Anliegen, der Hinweis auf den durch und durch rechtmäßigen Charakter der eigenen Sache, immer neu aufpoliert wird.

Wie wertlos dem protestierenden Studentenvolk die schlechten Erfahrungen für sich selbst betrachtet und ohne die Anrufung höherer Titel vorkommen, beweist es im nächsten Schritt seiner Beschwörung öffentlichen Wohlwollens: Diese Erfahrungen seien eigentlich ganz und gar unnötig. Die endlose Schilderung unerträglicher Zustände löst sich unversehens auf - in einen Ausrutscher, in ein Versäumnis. Nichts könnte die Unempfindlichkeit des Studenten '89 gegen seine eigene Erfahrung, dafür seine hochgradige Sensibilität für Rechtsverletzungen besser beweisen, als die Nonchalance, mit der er sich seiner eigenen Aufregung entledigt, ja, sie als rein taktisches Manöver vorführt: Sein Aufschrei ist ein Appell und entspringt einem felsenfesten Vertrauen in die Macht der Oberen, die doch ohne weiteres dafür sorgen könnten, ungute Verhältnisse mit einem Federstrich vom Tisch zu schaffen. Wenn sie es noch nicht getan haben, dann liegt zunächst ein eigenes Versäumnis vor, nämlich sich noch nicht genügend bemerkbar gemacht zu haben. Wenn diese Pflicht erledigt ist, und sie es immer noch nicht tun, dann sieht sich der Protestierende zu einer Diagnose gezwungen, in der das unerschütterliche Vertrauen in einer kritischen Gangart daherkommt: Es bräuchte nicht so zu sein - also muß böser Wille auf Seiten der Zuständigen vorliegen. Wie auch immer der böse Wille bebildert wird - seien die Politiker nun faul, dumm, von "Wirtschaftsinteressen" gegängelt, womöglich korrupt oder auch einfach nur verblendet -, allemal will diese Bebilderung nur auf eines hinaus: Eine staatliche Notwendigkeit in den politischen Beschlüssen, die er als schlechte Erfahrung zu spüren kriegt, will Student '89 nie entdecken, vielmehr immer nur einen moralisch verwerflichen Verstoß gegen eine von ihm ersonnene "Notwendigkeit", die nichts anderes als den Kinderglauben zum Inhalt hat, die Herrschaft sei letztlich doch immer dem Wohle der Untertanen verpflichtet.

...und gar dick ist mein Fell

Hier vertut der Student '89 vorläufig seine letzte Chance, auf den richtigen Trichter zu kommen. Er könnte nämlich merken, daß sein Rechtsidealismus - und erst recht sein strammes Bekenntnis dazu - aus einem einfachen Grund keinen Pfifferling wert ist: Die von ihm als Zuständige anerkannten und angeflehten Personen definieren den Inhalt des Rechts. Und zwar gemäß ihren Erwägungen. Dazu sind ja nun mal gerade sie berechtigt (worden), weswegen es eine ziemlich törichte Vorstellung ist, sie müßten ihre Freiheit dazu benutzen, sie in den Dienst der Untertanen zu stellen.

Genau so töricht gebärdet sich der Rechtsidealismus, wenn er dann sauer wird und behauptet hier läge ein Rechtsbruch vor: Dabei hat er bloß bemerkt, daß die Herrschenden eine Modifikation am Rechtsinhalt vorgenommen haben, die ihm als Veränderung an einem Zustand gegenübertritt, an den er gewöhnt war und worauf er sich keinen Reim machen kann. Er hatte die Veränderung ja nicht beantragt. Genau deswegen wird er sich aber auch an die neuen Zustände wieder gewöhnen: Die heißen immer noch "Recht auf Studium" - nur chwieriger ist es halt geworden.

Der protestierende Student kommt nicht um die Einsicht herum, daß die bestimmenden Figuren hierzulande eben nicht tun, was sie seiner Meinung nach tun müßten, sie beseitigen auch nicht, was es seiner Meinung nach nicht bräuchte. Hat vielleicht doch er etwas falsch gemacht? Zumindest teilweise, heißt darauf die Antwort; zwar hat er sich bemerkbar gemacht und auf seine schlechte Lage hingewiesen, dennoch liegt ein Versäumnis seinerseits vor. Dem Staat ist vorzuwerfen, daß er sich täuscht - aber worin! Wenn die Abteilung "böser Wille" abgehakt ist, und die Oberen unerklärlicherweise immer noch "nicht handeln", dann haben sie nicht begriffen, was sie an ihrem Studenten haben bzw. verschenken. Diese Täuschung hat ihre Grundlage darin, daß ihnen der Student noch nicht genügend klargemacht hat, wie wertvoll er ist.

Mein idealer Lebenszweck

In aller Demut schwingt sich Student '89 zum Oberlehrer der Politik auf. Umstandslos bekennt er sich zu seinem Studieninhalt als einer nützlichen Funktion der Gesellschaft, stellt sich also stolzdreist als abhängige Variable des gesellschaftlichen Geschehens vor - ohne freilich auf die entscheidende Kleinigkeit zu verfallen, daß dann wohl auch dort über Zahl und Beschaffenheit der Funktionsträger entschieden wird. Vielmehr gibt er mit sich als nützlichem gesellschaftlichen Charakter an, um seine Unersetzlichkeit herauszustreichen, die dem Staat vielleicht noch nicht genügend zu Bewußtsein gekommen ist. Und zwar Unersetzlichkeit im emphatischen Sinne: Mit ihm kann die Nation nur gewinnen - kein Staat, der was auf sich hält, kann diese Perle vor die Säue werfen. Mit einer Drohung ist das beim mißtrauischsten Willen nicht zu verwechseln, vielmehr wirbt der Student '89 in schamloser Weise mit seinen, dem gesellschaftlichen Konsensus entliehenen, Einbildungen über sich. Aus der Tatsache, daß es sein Studienfach gibt, offensichtlich ein gesellschaftliches Bedürfnis danach existiert, macht er eine Wertigkeit seiner Person, auf die der wohlfunktionierende Staat scharf zu sein hätte wie Nachbars Lumpi. Ein letztes Mal tauchen die Notwendigkeiten der Gesellschaft auf - und wieder grundverkehrt: Der Staat verletze sein eigenes Interesse, wenn er das Qualitätsangebot Student '89 ausschlage. Der Studentenprotest brodelt, um ihn aus dieser Täuschung herauszureißen.

Spruchweisheiten liegen bergeweise in Seminaren, Kursen und Arbeitskreisen herum. Sie reichen von ganz radikal bis ganz verantwortungsvoll, und sind immer gleich. "Studiennot macht Studis rot" will behaupten, daß man sich aus lauter Verantwortlichkeit zum Äußersten hingerissen sehen könnte - aber auch nur könnte. Die Naturwissenschaftler gehen voll und ganz in den Herausforderungen an die Nation auf, wobei sie den Vorteil haben, daß sich unter "High-Tech" und "Zukunft" jeder irgendwie vorstellen kann, daß diese Sorte Wissenschaft dafür nützliche Dienste leistet. Die Geisteswissenschaftler leiden etwas unter einer Nachfragekrise, die ihnen als Sinnkrise erscheint, woraufhin sie den Untergang des Abendlandes an die Wand malen: "Ohne Geisteswissenschaften verarmt die Gesellschaft. " Kühn und trotzig behaupten alle unisono, was ihnen schon ihr Opa erzählt hat: "Studierte Leut' braucht's immer! " - gegen die Offenkundigkeit, daß der Staat jetzt halt grad weniger braucht.

Ja, das Schreiben und das Lesen, das ist nie mein Fall gewesen

Große Anstrengungen unternehmen sie auch, ihre Wissenschaften zu verbessern. Ohne daß jemand den Verdacht geäußert hat, es könne denen an Nützlichkeit fehlen (diese Gesellschaft braucht Philosophen; und allein das ist schon, wenn man sich die 6-8 Merksprüche dieser Zunft anschaut, ein Grund für die Revolution), halten diese Verbesserer Ausschau nach den letzten Zahnpastaresten von Nützlichkeit, die sich irgendwo noch herausquetschen ließen. "Kritische Wissenschaft" hat ein kleines Zwischenhoch, und kein Schwein verwechselt das mit Kritik n der Wissenschaft: Ob sie nicht ein Sorgerecht für noch irgendeinen vernachlässigten Standpunkt ausfindig machen können, ist die Frage. Und daschauher - "Frau", "Umwelt", "Weltschuldenkrise"! Die großen Anstrengungen sind beendet, wenn diese Begriffe aus der Öffentlichkeit aufgeklaubt worden sind. Denn: Wie nun damit Wissenschaft zu machen wäre, "kritisch" obendrein, das weiß nur die tote Hose. Ihr Leben lang werden sie nicht draufkommen, warum sie sich spätestens nach der zweiten Stunde "Arbeitskreis..." hilflos angucken.

"Im Unterschied zu den 68ern müssen wir darauf achten, unseren Protest nicht ideologisch zu befrachten". Dies wird als Voraussetzung des Erfolgs ausgegeben und findet breite Zustimmung. Mit welchen "Ideologien" die 68er sich "befrachtet" haben, wissen die jungen Leute natürlich nicht im geringsten. Sie haben damit nur ein Synonym für Gegnerschaft - eigentlich noch billiger: Gegensätzlichkeit - erfunden, die sie sich um Gottes Willen nicht erlauben wollen. Ganz ausdrücklich bekennen sie sich zu ihrer Bravheit, die man ihnen zum Ausweis ihrer Berechtigung ganz hoch anrechnen soll.

Aber auch honorieren? Dafür, das merkt noch der Bravste, muß man ein bißchen nachdrücklich werden - "Druck machen!" heißt die einende Parole. Als wohlerzogene Kinder unserer Zeit wissen die Drücker aber auch, daß alle Formen des "Druckmachens" einem sehr prinzipiellen, immer sofort zur Mißbilligung schreitenden Verdacht unterliegen, nämlich dem Verdacht, störend zu sein. Also müssen alle Formen des "Druckmachens" einer geradezu zwanghaften Überwachung und Selbstreinigung unterworfen werden, überhaupt bloß guten Eindruck zu erwecken.

Linke, die in ihre Diskussionen eingreifen, werden nicht etwa gehört und nach mehr oder minder reiflicher Überlegung zurückgewiesen - sie fliegen einfach raus. Die vielberedete "Berührungsangst" von Demokraten schlägt locker um in praktiziertes Saubermannsdenken. Vergessen ist der Ärger über die Bildungspolitik, und die Radikalen sind die Feinde.

Und bin ich morgen früh wieder weg, so nehm ich Erinn'rung als einz'ges Gepäck

"Wir sind auf das Verständnis der Öffentlichkeit angewiesen" - auch allseits geteilt, aber auch zweischneidig: Was ist, wenn der Öffentlichkeit vor lauter gutem Eindruck die Füße einschlafen?

Da kann nur noch "Phantasie" helfen, der hilflose, oft genug unfreiwillig komische Versuch, ein Geistesprodukt in die Welt zu setzen, das einerseits sehr originell, andererseits jedermann aber völlig vertraut sein muß. Die klassische Kunst kannte das als Allegorie, was Student '89 in Form symbolhafter Handlungen oder Figuren als Bebilderung aller abstraktester Berechtigungstitel und ungezügelten Konstruktivismus aufführt. Ob aber Vorlesungen im Freien oder ein massenhafter Besuch bei Pförtnern von Wohnungsämtern von der Öffentlichkeit als lobenswerte Phantasieprodukte angenommen werden, liegt nun mal bei der Öffentlichkeit. Keine noch so phantasievolle Phantasie kann von ihr Aufmerksamkeit, geschweige denn die Maßstäbe der Begutachtung erzwingen - und ist auch bescheiden und "realistisch" genug, das von vornherein einzurechnen. Der Student '89 bettelt halt um Gehör; bei Leuten, bei denen schon r unterstellt, daß sie die Kunst des 'Zum einen Ohr rein, zum anderen raus' bestens beherrschen.

Perfekter kann die demokratische Politisierung eines "unpolitischen Studentenprotests" nicht sein. Ganz ohne Not, dafür mit um so mehr Feuereifer haben es die Bewegten darauf angelegt, von Öffentlichkeit und Politik geliebt und geachtet zu werden. Damit steht ihnen so manche Enttäuschung ins Haus, die bewältigt sein will. Sie haben "alles" probiert, sicherlich auch"manches" falsch gemacht, auf jeden Fall viel "guten Willen" gezeigt, der ohne jeden Zweifel auch "etwas" verändert hat. Das ist schon mal was. Andererseits ist man natürlich auch ziemlich enttäuscht, denn immerhin haben sie einen Idealismus des Erfolgs gepflogen: "Bei uns müßte es doch möglich sein, berechtigte Interessen zur Geltung zu bringen. " Der Erfolg stellt sich nicht ein, also ist Trauerarbeit am Idealismus vonnöten. Den sich zu erhalten, ist eine echte Herausforderung - spielend bewältigt. Man muß sich nur in der bewährten Kunst tummeln, nicht einem Übel bzw. Mißerfolg auf den Grund zu gehen, sondern zu eruieren, wie man eigentlich selbst zu dem steht, was man da gemacht hat; wie man sich nun selbst beurteilt als einer, der nicht so recht zu Potte gekommen ist. Der erste "Arbeitskreis Resignation" ist schon gegründet, ungelogen!

Gute Nacht, liebes Mädel, gute Nacht

Eines kann man den Bewegten nie mehr klauen: daß die "Bewegung" stattgefunden hat. Die Phantasie entfaltet ihre wirklich wohltuende Kraft darin, daß man ein Erlebnis imaginiert. Das kann man vorausschauend schon mitten im "Kampf" tun, aber auch rückblickend. Die leidige Erfolgsfrage ist damit endgültig vom Tisch, denn einen Erfolg konnten "die Herrschenden" nicht verhindern: Student '89 hat erfahren, daß es viele von ihm gibt, die trotz aller individuellen Unterschiede im demokratischen Wahn zusammengeschmiedet waren, als sie sich als leibhaftige Symbole ihrer uniformen guten Gesinnung bei den Händen faßten. Das nennt man dann "Gemeinschaft", und wenn es ganz gut läuft, entspringt daraus sogar die eine oder andere Liebschaft.