DER ALTE FRITZ... ..IM NEUEN ROCK

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Dieser Artikel ist in der MSZ 10-1986 erschienen.

DER ALTE FRITZ... ..IM NEUEN ROCK

Der Große Fritz für den kleinen Mann

Was den Alten selbst betrifft, so hat er sich seinen Beinamen, "der Große", redlich verdient. Die Geschichte verleiht diesen Titel nur erfolgreichen Schlächtern und Leuteschindern im großen Stil. Und er hat lange genug gelebt und regiert, um mit "Werbungen" - eigenes und fremdes Volk zum Soldaten"handwerk" pressen - und "Erwerbungen" - in den Karten meist hellblau - reichlich dafür zu sorgen. Und darum war er auch bei jeder spätern Schlächterei im Geiste mit dabei: 1864, 1866, 1871, 1914, 1939. Daß er 1942 bei Stalingrad die deutsche Sache mitvermasseln half, wurde ihm zeitweilig als Beihilfe zum Mißbrauch seiner selbst angekreidet. Ausgerechnet er, der absolute deutsche Siegertyp, der aus den verfahrensten Situationen Erfolge machte, Siege aus Niederlagen, er war für die undeutschen Verlierertypen auf Postkarten und Filmleinwand unterwegs gewesen, in seinem guten blauen Rock.

So hatte man zeitweise ein wenig Schuld am groß-deutschen Mißerfolg auch auf ihn abgeladen. Und die Leistung dieser Vergangenheitsbewältigung ist immerhin gewesen, daß nunmehr nichts Deutsches an der "Katastrophe" hängengeblieben ist, so daß unsere Ahnenreihe wieder komplett ist:

"Vor 200 Jahren, am 17. August 1786, starb 'Der Alte Fritz, das vielleicht größte Genie, das jemals in Deutschland regierte." (Bunte Illustrierte)

Was hat der Mann alles geleistet! Klein angefangen und ganz groß rausgekommen:

"Er machte das kleine Preußen zur Großmacht..."

Aus dem Nichts ein Königreich geschaffen, vor dem ganz Europa sich fürchten mußte. Und das Ganze auch noch mit einem absolut untauglichen Volk:

"Friedrich verachtete seine Soldaten. Um sie in den Griff zu bekommen, mußte er ein begnadeter Feldherr werden. Und er wurde es."

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Nicht lange gefackelt, sondern ran an die großen Aufgaben, die doch auch jeder im Kleinen hat. Und was hat er doch alles nebenbei erledigt:

"Er war Krieger und Künstler, Philosoph und Zotenreißer, Anpacker und Müßiggänger."

Und das, obwohl er ein fauler Sack wie jedermann war. Und wie hat er das geschafft? Durch die richtige Einstellung natürlich:

"Er begreift, daß dieserfurchtbare Vater nicht vor dem Äußersten zurückschreckt, um seinen Willen, seine königliche Autorität durchzusetzen. Dagegen helfen weder Hochmut noch Auflehnung. Friedrich beschließt, sich dem Vater zu unterwerfen. Er begreift - und das wird für sein späteres Leben wichtig sein -, daß man einem stärkeren Gegner nicht entgegentreten soll, daß man ausweichen muß, daß man den stärkeren Gegner ins Leere laufen lassen muß - bis dieser sich ermüdet. Alles andere ist sinnlos, kostet nur Opfer."

Wirklich ein fixer Bursche dieser Friedrich, zum König geboren wie er aus den Leersätzen, die die Historiker aus seinen künftigen Schlachten gezogen haben, Erfahrungen macht, aus denen er für seine Jugend lernt, wo die meisten nicht mal für ihre Zukunft draus lernen. Raffiniert auch die Taktik, sich der königlichen Autorität zu bemächtigen: einfach warten, bis sie stirbt. Wirklich ein Königsweg. Und was braucht's dafür? Eine ganz einfache Tätigkeit des Geistes: Begreifen, daß Widerstand nur Opfer bringt, während für die Unterwerfung ein Platz in der Geschichte winkt. Mit demselben raffinierten Trick hat wohl der Alte "den Deutschen eine blutige Revolution wie die in Frankreich ersparen" können. Feste Krieg führen, da kommt man rum im Land, und das Blut der richtigen Leute fließt für die richtige Sache. Zudem läßt sich der Krieg auch als Beitrag zur Volksbildung verstehen:

"Je übler eine Lage ist, in die ein Mensch gerät, desto größer wird seine Lernfähigkeit und Kraft."

Also nichts wie hinein ins Schlamassel. Das muß sich doch auch in Friedenszeiten machen lassen!