"DEBT CRISIS" - MANAGEMENT - REVOLUTIONÄR

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Dieser Artikel ist in der MSZ 10-1988 erschienen.
Systematik: 

Fidel Castro:
"DEBT CRISIS" - MANAGEMENT - REVOLUTIONÄR

Die im kritischen Lager beliebte Theorie vom Zusammenbruch des Imperialismus, wenn er zu sehr auf Schuldeneintreibung beharrt und sich seine Ausbeutungsopfer ruiniert, eine Theorie, die die imperialistischen Staaten mit einem ganz feinsinnigen "Denkt doch mal an euch selber" zur globalen Vernunft anleiten will, hat der cubanische Staatschef auf die Spitze getrieben:

"Ein Rettungsplan für den Kapitalismus, bevor sich der Zusammenbruch nähert, spätestens 1988... Der count down der 'debt crisis' kann 1988 zu Ende gehen. Falls es den Verschuldeten gelingen sollte, die fälligen Zinsen zu honorieren, werden sie ihre Importrechnungen nicht bezahlen können. Also wird der Bruch 1987 zum Vorschein kommen und der Palast über dem Kopf des Königs zusammenbrechen... Der Vorteil der Schuldenstreichung läge für die Gläubiger in einer Neuordnung der Ökonomie der Verschuldeten. Dies würde für die Industrieländer die Wiederherstellung der Wirtschaften bedeuten, die sie mit Rohstoffen versorgen, sowie einen größeren Handel mit den sich entwickelnden Ländern (die wieder zu wachsen beginnen würden) und eine Ausweitung der Geschäfte der Multinationalen mit den aktuellen Schuldnern. Lateinamerika könnte doppelt so viel wie jetzt auf dem amerikanischen Markt kaufen. Dies würde helfen, die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten - die größte politische Unbequemlichkeit der Reagonomics - zu reduzieren." (Interview in der mexikanischen Zeitung 'Excelsior'.)

Dieser Mann kennt überhaupt nur noch einen Gegensatz auf der Welt, den zwischen Schuldner- und Gläubigerstaaten, erklärt ihn für überflüssig, wenn nur den Kapitalismus Vernunft aufgezwungen würde, und will ab sofort zwischen Pinochet, Garcia und sich keinen Unterschied mehr machen:

"Die Bildung eines Schuldnerclubs... Ich meine, daß gerade jetzt der Moment für diesen Kampf gekommen ist. Es ist eine derart schwierige Krise entstanden, daß die Länder der Dritten Welt gezwungen sind, nachzudenken, sich zusammenzuschließen und Lösungen zu suchen, unabhängig von der Militanz und politischen Ideologien, einfach aus elementarem Überlebenswillen."

Castro ist die "Schuldenkrise" offensichtlich sehr aufs Hirn geschlagen. Eine völlig neue Definition des "anti-imperialistischen Kampfes": Die Schuldner müssen durch Verweigerung ihre Benutzbarkeit erzwingen - damit sind auch sie es, die "Pygmäen", die endlich für einen funktionellen Kapitalismus sorgen, in dem sie mitmachen dürfen. Das dürfen sie zwar schon lange, aber jetzt ist der Kapitalismus in Folge eines selbstgeschaffenen Reinreißmechanismus' auf sie angewiesen - und das verheißt doch endlich mal eine nationale Unabhängigkeit, die sich von diesem kleinkarierten Klassenkampfzeugs nicht mehr ablenken läßt:

"Es gibt in diesem Moment etwas wichtigeres als die soziale Umwälzung selbst, und das ist die Unabhängigkeit unserer Länder."