DDR ROCK - EIN BRAUCHBARER SCHLAGER FÜR DEN IMPERIALISMUS

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Dieser Artikel ist in der MSZ 7-1987 erschienen.
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DDR ROCK - EIN BRAUCHBARER SCHLAGER FÜR DEN IMPERIALISMUS

Ein paar Ostberliner Rockfans wissen mit ihrer Freizeit nichts Besseres anzufangen, als dem phonverstärkten Geräuschpegel eines David Bowie lebensnah beizuwohnen. Ihrem Wunsch, in der Fangemeinde lauthals mitkreischen zu dürfen, steht eine veritable Staatsgrenze im Weg. Deren staatlichen Hütern wird: "Die Mauer muß weg! " entgegengeschleudert - von Leuten, deren musikalisches Freiheitsgefühl nicht leiden würde, wenn sie vom Ordnerdienst des Veranstalters eins in die Fresse bekommen, weil sie ihrem Rock-Ideal persönlich auf die Pelle rücken wollen.

Für öffentliche westliche Ohren ist dieser Ruf dasselbe wie das NATO-Programm auf Veränderung der Weltordnung, das dessen Führer in Westberlin verkündet: "Mister Gorbatschow, reißen Sie die Mauer nieder!"; als wäre die militärische Wucht, die hinter diesem "Angebot" steht, für nichts anderes da, als westlichen Rock-Idioten ein östliches Fan-Publikum zu "erobern". Da geht dann in Ordnung, daß beim Besuch des amerikanischen Präsidenten ganze Stadtbezirke unter polizeiliche Quarantäne gestellt werden. Umso schlagender kommt dagegen zum Vorschein, daß auch noch die verwundert registrierte "Zurückhaltung" der DDR-Volkspolizei vom unerträglichen Lebensschicksal unserer Landsleute "ohne Freiheit" zeugt. "Krawalle" und "Randale", die im Westteil der Stadt von "Chaoten" veranstaltet werden, gibt es drüben für den westlichen Geschmack einfach immer zu wenig. Deshalb wird das Musikverständnis östlicher Punks in der hiesigen Berichterstattung um das Absingen des Deutschlandliedes, erste Strophe, angereichert und an den Aufstand erinnert, mit dem sich die Arbeiterfreunde im Bonner Regierungsquartier so gerne solidarisieren:

"Die Erinnerung an den 17.Juni 1953 ist wirklich weit hergeholt" (Zeit, 12.6.)

und wer hat sie jetzt zielstrebig hergeholt?

Die Rangeleien zu Pfingsten an der östlichen Seite der Mauer waren der Erfolg einer Provokation. Was der Westberliner Senat mit seiner 750-Jahr-Feier kann - "Verbundenheit" mit den Berlinern im Osten zu demonstrieren, indem jede Veranstaltung zu einer Hetze nach drüben ausgestaltet wird - beherrschen die internationalen Größen an elektrischen Zupf- und Schlaginstrumenten allemal: Ran an die Mauer, die Insassen hinter dem Stacheldraht gegrüßt, die Lautsprecher nach Osten gerichtet und den Freiheitssound aufgedreht. Derweil geben westliche Korrespondenten, ganz spontan und zufällig vor Ort, ihre Mikrofone frei für den Unmut der Jugendlichen - wie das nun mal ihr Brauch ist, wenn sie in Berlin von Demonstrationen berichten. Damit der politische Protest gelingt, verstärken sie auch einige Stichworte, die den Ärger über entgangenen Kunstgenuß erst so richtig "unmißverständlich" werden lassen. Es ist für einen "Eurythmics"-Fan ja auch ein etwas schwieriger Gedanke, ausgerechnet in Gorbatschow einen geborenen Feind von Honecker auszumachen diese diffizile Denkweise beherrschen westdeutsche Kommentatoren und westliche Besucher dafür umso besser.

Die bodenlose Einheit von Partei und Jugend im Arbeiter- und Bauernstaat

Es wird schon stimmen, was die Regierung der DDR zu den Vorfällen am Brandenburger Tor verlautbaren ließ: Es waren Provokationen, die aus einem, jedem Staat auf der Welt am Herzen liegenden Hoheitsakt eine Anti-DDR-Demonstration gemacht haben:

"Die Volkspolizei hatte, wie bei solchen Anlässen üblich, im Bereich vor der Staatsgrenze gegenüber von Berlin (West) alle Vorkehrungen für die Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und des Straßenverkehrs getroffen... Die kleine Gruppe, die sich mit provozierenden Parolen im Zusammenspiel mit einigen westlichen Korrespondenten vor deren Kameras produzierte, hatte nichts mit den jugendlichen Rockfans zu tun, die gekommen waren, um der Musik zuzuhören." (Süddeutsche Zeitung, 11.6.)

Lächerlich und peinlich ist nur die regierungsoffizielle Inschutznahme von unschuldigen aufrechten DDR-Jugendlichen, die auch noch Liebhaber der Dezibel-Schmerzgrenze sind. Die sind schließlich zur Mauer gezogen, um dagegen zu protestieren, daß ihr Staat ein so wichtiges Lebensmittel wie den "Genesis"Sound live ihnen vorenthalten würde; obwohl das noch nicht einmal stimmt. Dieses Bedürfnis hat der erste deutsche Arbeiter- und Bauernstaat schon längst als sozialistisches Bildungselement entdeckt und bedient. Für Massenauftritte bundesdeutscher und internationaler Heulbojen wie Udo Lindenberg, Peter Maffay, Katja Ebstein, Santana, Rod Stewart und Elton John bis in die tiefste DDR-Provinz werden kostbare Devisen hingeblättert. Die revanchieren sich dann, indem sie im Feindesland eine gesamtdeutsche Verbrüderungsschau abziehen und die drüben angetroffene Unterdrückung lauthals beklagen, weil Honecker nicht gleich die gesamte DDR-Bevölkerung zum Pflichtbesuch des "Sonderzugs nach Pankow" abordnet. Im staatseigenen Jugendfunk DT 64 ertönt rund um die Uhr alles, was hiesigen Walkman-Besitzern lieb und teuer ist; über die aktuellen Hitlisten - national und international - weiß das "geknechtete" Jungvolk der DDR genauso gut Bescheid. "Bravo"-Imitationen samt einliegenden Postern beflügeln das Lebensgefühl und verschönen die heimischen vier Wände. Wenn das "Neue Deutschland" sein alljährliches Pressefest feiert, dann dürfen heimische Rock- und Pop-Gruppen zeigen, was die Elektronik so alles hergibt. Ernst Busch, die FDJ-Singebewegung und die Puhdys von ehemals haben da keine Chance mehr. Die Zeiten sind längst vorbei, als die SED noch die "Erziehung zum sozialistischen Menschen" ein wenig als Kampfauftrag gegen "entartete Formen" eines "perversen Lebensgefühls" ausgab, mit dem ein "verfaulender" Kapitalismus die Massen zu verführen und ohnmächtig zu machen versuche. Heute setzt die Partei opportunistisch auf ihre Jugend, die "Zukunft des Sozialismus", indem sie jede Marotte der Freizeitgestaltung von Jugendlichen unter ihre Fittiche nimmt, die ansonsten alles mitmachen, Partei Partei sein lassen und sich mit Lederjacke und Jeans zur originellen Persönlichkeit entfalten. In einem täuscht sich die SED dabei nicht: Bei den hofierten und selbst gezogenen Punks und anderen Anhängern eines freien Lebensgefühls die drüben übrigens weniger als hier wegen ihres "abweichenden Verhaltens" eins auf die Schnauze kriegen - handelt es sich nicht um Gegner und Kritiker des realen Sozialismus. Warum im Arbeiter- und Bauernstaat das Lob der Arbeiter sich immer in das Lob seiner erbrachten und geforderten Opferleistungen übersetzt, ist einem Tina-Turner- und Prince-Fan nämlich schnurzegal, ebenso wie ihn die Beweiskette für die Vorteile eines demokratisch geregelten Lebens in "Frieden und Freiheit" kalt läßt.

Bei den so von der SED Umworbenen sprechen deren Bemühungen, sich für jeden, der Jugend von den Lippen abgelesenen, Schwachsinn aufgeschlossen zu zeigen, allerdings nicht für den staatlichen Beglücker, sondern gegen ihn. Dabei stimmt weder die westliche Lüge, eine freiheitssüchtige Jugend würde drüben aus dem Rockgedudel nur den unstillbaren Drang nach CDU und SPD heraushören, noch er ab und zu geäußerte Verdacht der SED, in ihrem sozialistischen Freiheitsstall gäbe es noch vereinzelte "zurückgebliebene" Anhänger einer "überholten bourgeoisen Lebensweise". Der Unmut jugendlicher Rockfans, Marke Ost, die für sie eingerichtete Rock- und Jeanskultur sei nicht "echt", ist ein hausgemachtes Produkt der Kulturpolitik der Partei.

"Weltniveau" original nur im Westen

Zu offensichtlich ist der Opportuniimus, mit dem sich die Partei an die Idiotien ihrer Jugend anschleimt; sie versäumt es nie, dies als guten Grund für die Vorbildlichkeit des sozialistischen Staates gewürdigt sehen zu wollen. Und nimmt deswegen die Organisation dieses modernen Lebensgefühls gleich selbst in die Hand. Solange die Partei auf die "sozialistische Lebensgemeinschaft" setzt mit ihren Segnungen und den paar Verpflichtungen, die dieses Lebensglück den damit Beglückten doch wert sein müßte, so lange hören noch die bescheuertsten Musikfreaks die Botschaft heraus, daß nicht einfach bloß Rock gemeint ist, wenn ihr Staat nichts anderes tut, als in der Republik Lautsprecher aufzustellen. Den Jugendlichen wird ihr Kunstgenuß "nur" erlaubt, und weil dieser Genuß allein im feeling besteht, fühlt sich deren Freiheitsgefühl fürchterlich mißhandelt.

Darüber - und nur darüber - sind sie schon Bewunderer des Freien Westens und wissen ohne Kriterien, daß DDR-Rock einen Vergleich mit den Musikprofis aus dem Westen nicht aushält. Genau so wenig macht sie eine "Levy's"-Imitation, Marke Zwickau, glücklich. Daß demokratische Staaten andere Sorgen haben, als auch noch die Bedienung der Freizeitbedürfnisse, aus denen die Bürger ganz selbstbewußt ihr privates Glück zimmern, selbst in die Hand zu nehmen, sondern dies dem Geschäftssinn ihrer Unternehmer und der nicht weniger rührigen Geschäftskalkulation der Pop-Stars überlassen, spricht da für die Freiheit einer Lebensgestaltung, die in der DDR vermißt wird. Man muß nur nichts anderes im Kopf haben.

Auf diesen Vergleich sind DDR-Jugendliche, die sich als Jugendkultur ausstaffieren, nicht einmal selbst gekommen; auch hier hat die ideologische "Anleitung" und "sozialistische Erziehung" der Partei vorbildhaft gewirkt. Zu den entscheidenden Vorzügen der "sozialistischen Lebensweise", für die die Massen agitiert wurden, zählte schon immer das Argument der Partei, im Sozialismus hätte man ein schlagendes Mittel zum Erreichen des "Weltniveaus" bei der Produktion und bei der Bedürfnisbefriedigung. Das hier verkündete Vorbild des Vergleichs war ausgerechnet der kapitalistische Westen, von dessen gegensätzlicher Produktionsweise da nicht mehr die Rede war. Seine menschenfreundlichen Segnungen von Produktivität und Lebensstandard galt es ein- und überzuholen, und an dem sich einstellenden Erfolg des Sozialismus sollten sich seine "Mängel" blamieren. Den Vergleich beherrschen die so Agitierten perfekt - auf ihre Weise: Nur Ami-Cola ist trinkbar, und daran blamiert sich ihre DDR als Provinznest. Für die Platte vom neuesten Live-Auftritt von Genesis wird das Taschengeld und ein Aufpreis hingeblättert - aber nur, wenn und weil es diesen Hit (noch) nicht im offiziellen DDR-Handel gibt. Diesen unzufriedenen Vergleich führen allerdings keine Fanatiker der Freiheit, sondern bornierte DDR-Bürger durch. Die sind nämlich von der Oma bis zum Schulkind kritiklose Bewunderer des "goldenen Westens" und von allem, was von daher kommt. Nur die schaffen es, ihren Staat alt aussehen zu lassen, indem sie meinen, auch die BRD wäre so etwas wie der Sozialstaat, Marke DDR und hätte für seine Bürger und deren privates Glücksgefühl nur mehr anzubieten. Dann gibt es auch Leute, die rübermachen, weil die Schaufensterregale in bundesdeutschen Kaufhäusern voller und bunter sind; als wäre das, was da rumsteht, genauso leicht und wohlfeil für den eigenen Geldbeutel zu bekommen wie das geringere Angebot in DDR-Läden. Die wirklichen Angebote, auf die der DDR-Staat so stolz ist: sicherer Arbeitsplatz, billige Mieten, soziale Wohltaten, fallen bei diesem Vergleich als Selbstverständlichkeiten nicht ins Gewicht, wo nur noch der Vergleich von echt freiem Lebensgefühl und dessen Ausstattung als Selbstbedienungsladen zählt. Daß dieser Vergleich von enttäuschten Nationalisten kommt, ist ebenfalls die Leistung einer Partei, die ihrer heimischen Mannschaft den Sozialismus nie anders als das bessere Deutschland angepriesen hat.

Eine Opposition wird aus diesem unterdrückten, mit ein bißchen Geräusch auch wieder zu befriedigenden Freiheitsbedürfnis nicht - auch wenn dies westdeutsche Politiker gerne so hätten. Der demonstrierte Ärger dauert so lange, so lange jenseits der Mauer gedröhnt wird. Dann geht es ab nach Hause und der Sender der DDR wird auf volle Pulle gedreht.

Leider kein 17. Juni!

Da bekommt dann die westdeutsche Presse alle Hände voll zu tun, die wirklichen Hintergründe eines (fast) Volksaufstandes bloßzulegen. Weil wir wissen, daß niemand in der "DDR" lebenswert leben kann, handelt es sich bei den verhinderten Mitkreischern beim Berlin-Festival um echte Freiheitskämpfer, meint "Bild":

"Die Menschen rufen Gorbatschow und meinen mehr Freiheit - wenigstens ein bißchen mehr". (Das ist freilich etwas bedenkenlos argumentiert: Das klingt fast, als würde der oberste Russe als Freiheitsheld gefeiert und nicht die Freiheit, die uns von den Russen befreit!)

"Die Unruhe unter meinen Altersgenossen in Ost-Berlin zeigt: Auch wer von Geburt an nur von Diktatoren-Propaganda und Pionier-Geschwätz berieselt wurde, behält die Sehnsucht nach Einigkeit und Recht und Freiheit." (Bild, 10.6.)

'Objektiver'- wie immer - die gehobene bürgerliche Presse. Sie kommt erst über den Umweg - Rockfans, die bloß ihre Idole einmal lebensnah sehen wollen - zum gleichen Ergebnis:

"Der Schalmeienklang von David Bowie und den 'Eurhythmics' regte die jungen Leute umso mehr auf, als der 'anti-imperialistische Schutzwall' aus westlicher Sicht: die Mauer - es ihnen unmöglich machte, die Musiker live zu sehen. Doch das Urärgernis ist und bleibt die Mauer als Symbol vorenthaltener Bewegungsfreiheit." (SZ, 9.6.)

Während "Bild-am-Sonntag" ihre bekannte Vorliebe für Punks und "auffällig gekleidete -Jügendliche" wieder nicht im Zaum halten kann und an so gewandeten Ostberlinern bewundert, daß drüben lauter saubere, anständige - und vor allem non-konformistische - Jugendliche herumlaufen, gibt sich die Presseabteilung für höhere Bildung anspruchsvoller und kritischer. Irgendwie haben die Jungs hinter dem Brandenburger Tor schon enttäuscht:

"Aus einer anderen als der hintermäuerischen Perspektive mag es freilich unbegreiflich scheinen, weshalb sich da nicht längst zwei-, dreitausend junge Leute - so viele, wie es am Pfingstwochenende Unter den Linden waren - verabredet und auf den Weg gemacht haben, dieses ominöse Tor, das nun seit 16 Jahren keines mehr ist, einfach zu durchschreiten. Nicht der Bananen, sondern der Würde wegen." (Zeit, 12.6.)

Nicht nur haben sie es nicht getan, sondern auch dann, wenn sie dem dringlichen Wunsch gefolgt wären, hätte sie es nicht wegen der "Würde", sondern aus Anspruchshaltung heraus gemacht. Überhaupt, geht nicht der Vergleich von Demonstranten mit Freiheitskämpfern in die falsche Ecke?

"Sind die Rockfans, die während des Pfingstfestivals jenseits der Mauer 'Bullen raus' schrien und mit Feuerwerkskörpern, mit Flaschen nach Polizisten warfen, lupenreine Freiheitskämpfer? Was wären dann die militanten Jugendlichen, die vor Wochen diesseits der Mauer ein Gleiches taten, im Stadtteil SO 36 - und die während Ronald Reagans Besuch in Berlin demonstrieren, vielleicht auch demolieren wollen?" (Zeit, 12.6.)

Wo der von Fernsehen und Presse vermittelte Eindruck, daß es zumindest diesmal mit dem notorischen Terrorismus des Oststaates nicht so weit er war, ein beliebtes Vorurteil erschüttert; wo die Aufräumbemühungen der Westberliner Ordnungskräfte während des Reagan-Besuchs umgekehrt dem demokratischen Geschmack zu eindeutig zeigten, wie keimfreie Jubelveranstaltungen und Gewalt zusammenhängen - da regt sich im demokratischen Hirn nur ein Bedürfnis: Unser freiheitliches Vorurteil muß gegen jede Wahrnehmung gerettet werden:

"Zur Unterscheidung: keiner war dort vermummt, keiner passiv bewaffnet, kaum einer betrunken." (SZ, 11.6.)

Das also erklärt das milde Vorgehen der Ostpolizei. Mehr war nicht nötig. In - der DDR bleibt protestierenden Bürgern gegen den Staatsterror nur ein Schutz. Sie müssen sich anständig aufführen. Bei uns hingegen beweist schon das Bedürfnis nach einem Vermummungsverbot, wie unanständig der Protest ist und wie schwer es die Ordnungskräfte haben, mit Demonstranten fertigzuwerden. Daß sie sie fertigmachen wollen und müssen, geht völlig in Ordnung. Wg. Demokratie!

Aber noch so viele Klarstellungen über das nötige Maß an Gewalt, welches welchem System zusteht, ersparen uns nicht die politische Deutung des pfingstlichen Geschehens auf der anderen Seite der Mauer. In welchem Verhältnis steht der aufrechte Liberalismus der Rockfans zum politischen Anspruch der BRD, drüben für Freiheit zu sorgen: Diese Frage führt in der Demokratie allemal zu Streit. 'Wegweisend' ist die Antwort der FAZ:

"Auf dem sowjetischen Vorfeld ist Bewegung entstanden. Von Bonn her krampfhaft Beruhigendes zu reden, um Öl auf die Wogen zu gießen, ist zwecklos, wenn nicht lächerlich." (FAZ, 10.6.)

Unsere schlappen Kohls urid Vogels täten gut daran, - mehr daraus zu machen und ihr Öl zweckmäßig ins Freiheitsfeuerchen zu gießen. Andererseits muß Politik Sache der Politiker bleiben, geht also ein für allemal von oben nach unten. Deswegen findet die liberale "Zeit" Bedenken angebracht, wenn die Grundfragen der Deutschlandpolitik über einen jugendliche Freiheitsprotest aufgerollt werden sollen:

"Aber darf es wirklich dazu kommen, daß eine Eskalation von Aufruhr und Niederknüppeln er, schwert, was sich zwischen den deutschen Staaten anbahnt?" (Zeit, 12.6.)

Was bahnt sich denn da an? Offenbar sieht die "Zeit" auf der Ebene der Regierungen einen Erfolg der westlichen Sache auf dem Weg, an den die militante Rechte nicht glauben mag eine friedliche Aufweichung von oben.