DAS WUNDER VOM KAPITALISIERTEN GELD

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Dieser Artikel ist in der MSZ 11-1984 erschienen.
Systematik: 

Schulden (I)
DAS WUNDER VOM KAPITALISIERTEN GELD

Wenn ein Privatmann einem Freund für den Erwerb eines guten Buches gutes Geld auslegt, dann hat der Freund bei ihm Schulden.

Wenn einer zur Bank geht und leiht sich Geld für den Kauf von guten Büchern und Autos, hat er ebenfalls Schulden.

Wenn die Bank das Geld von wildfremden Menschen nimmt und ihnen dafür Stempel und Unterschrift in die Hand drückt, hat sie Schulden.

Und wenn sie mehr als ihre Einlagen verleiht, macht sie schon wieder Schulden.

Wenn der Staat mehr für Autobahnen und Militär und andere Sozialgeschichten ausgibt, als er kassiert, macht er Schulden. Und wenn bei seinen Auslandsgeschäften sowie denen seiner Bürger weniger hereinkommt als hinausgeht, hat er schon wieder Schulden.

Das alles sollte man tunlichst nicht miteinander verwechseln. Sonst stellt man sich am Ende haareraufend die bescheuerte Frage: "Wer soll das bezahlen?", wählt eine Partei, weil sie einem erzählt, die Staatsverschuldung wäre für einen guten Bürger unerträglich - und am Schluß zerbricht man sich noch den Kopf darüber, wie die Länder der "Dritten Welt" ihre Schulden bezahlen können.

Schulden als Notbehelf

sind vor allem den Leuten vertraut, in deren Händen das Geld keine andere Aufgabe erfüllt als die des Zirkulationsmittels. Ihre Erwerbsquelle heißt Lohnarbeit, und das damit verdiente Einkommen teilen sie sich ein. Für diesen Menschenschlag ist das Geld in der Tat nur Mittler zwischen dem Einsatz der Arbeitskraft und dem Kauf von brauchbaren Sachen aller Art. Da sich unter diesen Sachen unter dem Gesichtspunkt der Kosten auch größere Brocken befinden, pflegen Lohnabhängige die Tugend des Sparens, die ihnen die Höhe ihres Lohnes gebietet. Diese Tugend ist auch in Form von Ratenzahlungen, Bausparverträgen und Handreichungen für den fälligen Autokauf erlaubt, welche als grünes Band der Sympathie daherkommen. Der zeitliche Abstand zwischen Bedarf und Zahlungsfähigkeit kostet dabei einige Märker, stellt also besagte Tugend auf eine zusätzliche Probe. Wenn die nicht bestanden wird, besteht das Gesetz auf dem Eigentum, jenem Generalvorbehalt für Gebrauch und Genuß. So hält eben doch nicht das Vertrauen in die "Marktwirtschaft" Einzug, weil die Kontrolle der Gewalt viel bessere Dienste bei der Betreuung der gewöhnlichen Armut tut.

Schulden als Geschäftsmittel

Die Gläubiger, die dem Konsumenten als Nothelfer zur Seite stehen, haben nichts zu verschenken, aber viel zu verkaufen. Sie haben ihr Geld für Arbeitsplätze in Fabriken und/oder Kontoren ausgegeben und bestehen ihrerseits auf ihrem gerechten Lohn. Der kommt durch den Preis zustande, den sie für die auf merkwürdige Art in ihren Besitz gekommenen Artikel erzielen. Viele davon, möglichst alle wollen sie losschlagen. Und dazu möglichst schnell, was dieser Menschenschlag mit seiner Ader für geschäftliche Hektik in der einprägsamen Formel "Zeit ist Geld" auszudrücken pflegt. Vom Fluß ihrer Einkünfte hängt ja nicht nur der Erwerb ihrer Lebensmittel ab - darauf können die sich nicht beschränken -, sondern der Erhalt ihrer Erwerbsquelle dazu. Damit die funktioniert, brauchen sie selbst immerzu Geld, um die Waren nachzukaufen, die für Nachschub an Verkäuflichem erforderlich sind. Deshalb bemühen sie sich auf dem Markt so eifrig um jeden Pfennig zahlungsfähiger Nachfrage; und bei denen, die mit ihren Artikeln auf sog. "Endverbraucher" abonniert sind, ist der "Konsumentenkredit" ein passendes Hilfsmittel, Geld an Land zu ziehen.

Mit dem Problem, ob zur rechten Zeit in den richtigen Händen ausreichend Geld für Käufer zur Verfügung steht, sind die "Produzenten" und Händler freilich auch im Verkehr unter ihresgleichen konfrontiert. Und mit den Techniken des kommerziellen Kredits beseitigen sie seit ewigen, Zeiten diese Schranke der Zirkulation, die ihr geschäftliches Fortkommen so in Frage stellt. Da Geld fehlt oder umgekehrt vorhandenes Geld nicht gebraucht wird, gilt ihnen als Beschränkung ihrer Möglichkeiten. So wenig ein mit der berüchtigten Initiative ausgestatteter Unternehmer warten kann, bis seine Verkäufe genug Bares in seine Hände bringen, um die fälligen Erneuerungen seines Vermögens vorzunehmen, so wenig will er zurückgellossenes Geld unbrauchbar herumliegen lassen, bis sein laufender Betrieb dessen Einsatz notwendig macht. Er nimmt Zahlungsversprechen gegen die Lieferung von Waren an und beansprucht selbst Kredit beim Kauf. Mit Hille der Zirkulation von Schuldscheinen vermeiden Geschäftsleute eine Senkung der Umsatzgeschwindigkeit ihres Vermögens, also eine Minderung ihres Ertrages. Oder, was dasselbe ist, sie ersparen sich den Vorschuß zusätzlichen Geldes für die Aufrechterhaltung ihres funktionierenden Betriebs.

Ihre Schulden verrichten dabei treu und brav alle Dienste, die man von gutem Geld erwarten kann. Es sei denn, bei einem oder auch mehreren Unterzeichnern von Zahlungsversprechen kommt nicht fristgemäß genug Geld zusammen, um die fälligen Schulden zu begleichen. Dann hebt ein gesetzlich geschütztes Eintreiben von Sachwerten aller Art an, so daß das Vertrauen in den Kredit als Mittel der kapitalistischen Geschäftemacherei kein Ende zu nehmen braucht, nur weil es ein Konkurrent nicht erfüllen konnte. Für Leute, deren Beruf im Geldmachen besteht, sind Schulden nämlich keine Last, sondern ein Hebel ihrer Bereicherung.

Schulden als Geschäftsartikel

Dieser Umstand hat einen Menschenschlag von dem üblen Leumund erlöst, der ihm in den ganz frühen Tagen der "Marktwirtschaft" von Martin Luther und anderen Moralisten gerechten Besitzes angehängt worden war. Mußte sich ein Wucherer, wie der Name schon sagt, noch den Vorwurf gefallen lassen, sein Umgang mit Geld beruhe auf der schamlosen Ausnützung der Not anderer Leute, die zur Erhaltung ihres Vermögens angesichts eines brutal mit ihnen umspringenden Handels nicht in der Lage waren, so gilt ein Bankier in der fertigen "Marktwirtschaft" als rundum feiner Max. Er schafft sogar selber Arbeitsplätze und kann sich rühmen, einem gesellschaftlichen Bedürfnis zu willfahren. Banken sind Dienstleistungsbetriebe, die der Tatsache Rechnung tragen, daß mit Krediten gute Geschäfte gemacht werden. Und wenn sie selbst dabei die eine oder andere Milliarde abstauben, so verdienen sie das ebendeshalb, weil sie ja anderen die Möglichkeit ihrer (gesteigerten) Verdienste sichern.

Das Bedürfnis nach Kredit in der Geschäftswelt, in der jeder bemüht ist, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Kapital gewinnbringend umschlagen zu lassen, findet nämlich nicht automatisch auch bei den unmittelbaren Geschäftspartnern seine Befriedigung, mit denen eine Firma zu tun hat. Die Schuldschein-Ausstellerei hat im Gelingen der Geschäfte derjenigen ihre Schranke, mit denen so ein Unternehmungsgeist gerade handelt. Und wenn die sich - als Verkäufer - keinen Zahlungsaufschub leisten mögen oder - als Käufer - nicht rechtzeitig zahlen können, sieht sich selbst ein "gesundes" Unternehmen mit "Liquiditätsschwierigkeiten" konfrontiert. Es hat dann gar nichts davon, daß erzielte Rückflüsse gut in eine Produktionserweiterung mit guten Marktchancen investiert worden sind. Laufende Verpflichtungen, Lohnzahlungen wie Stromrechnungen, wollen erledigt sein, so daß sich nach Krediten in der übrigen Geschäftslandschaft umgesehen werden muß. Hier hilft die Bank.

Ihre Geschäftsmittel stammen aus den flüssigen Geldern, die sich im Umsatz von Geschäftsleuten vorübergehend ansammeln, sowie aus den Spargroschen von jedermann. Dieses Geld, für das die Bank Zinsen zahlt - ein erster Hinweis auf das oberste Bankmotto: "Jeder Pfennig Geld ist Kapital, sich vermehrendes Geld!" -, verwendet sie für die Stiftung des gesellschaftlichen Bedürfnisses nach Kredit. Für ein paar Prozente mehr schafft sie sich eine Kundschaft von Schuldnern, sei es, indem sie Wechsel diskontiert, also gegen Zinsen dem mit einem Zahlungsversprechen herumlaufenden Geschäftsmann zu tatsächlicher Zahlungsfähigkeit verhilft, sei es, indem sie auf eine der vielen technischen Weisen Geld verleiht. Die unübersehbare Gleichung, die jede Bank wahr macht, lautet also andererseits: "Schulden sind Geld!"

Dieser schwunghafte Handel mit Schulden beruht auf dem Interesse a aller Geschäftsleute, einerseits keinen Pfennig "untätig" herumliegen zu lassen, andererseits stets "liquide" zu sein. Banken gewähren dem Geschäftsmann die ersehnte Unabhängigkeit von den Konjunkturen ihrer Markterfolge, aber erstens gegen Geld und zweitens um den Preis ihrer Abhängigkeit von der Bank. Den Beweis, daß sich die Aufnahme eines Kredits für sie wirklich lohnt, müssen die Industriellen und Kaufleute schon selbst durch ihren Geschäftserfolg antreten. Denn die Banken emanzipieren sich zwar in ihrer gewinnbringenden Verleihpraxis von den ihnen zur Verfügung stehenden Depositen, achten aber um so genauer auf die zur Verfügung stehenden Sicherheiten bei ihren Kunden. Wenn es denen nicht gelingt, mit Hilfe von Krediten ein Geschäft aufzuziehen, so macht die Bank die Gleichung Schulden = Geld eben zu ihren Gunsten wahr - und nimmt für ihren Kredit das Eigentum der Klientel an sich. Während die Banken in ihrer Geschäftigkeit mit der Aufblähung des fiktiven Kapitals rücksichtslos gegen den wirklichen Geschäftsgang vorgehen, überlassen sie die Feststellung, welche Schulden an welcher Stelle zwar als Kapital angelegt werden, aber nicht als solche wirken, dem Gang der Konkurrenz. Des Bedarfs sicher, der in der Geschäftswelt nach ihrer Dienstleistung besteht - schließlich wollen sich die Herren Fabrikanten mit Schulden ihre Erweiterungen und Rationalisierungen finanzieren, die ihnen das größere Stück vom "Marktkuchen" bringen -, fungieren Bankers gerne als Gläubiger. Ihre Ware ist ein unverzichtbares Geschäftsmittel, so daß sie sie besten Gewissens zum Geschäftsartikel ihrer Unternehmung machen dürfen. Im übrigen handeln sie viel weniger mit dem Geld als mit den Schulden anderer Leute.

Ihren Klassenbrüdern von der Produktionsfront halsen sie allerdings mit ihren Konditionen eine ständige Berechnung auf: "Wie beweise ich durch den Umfang meines Vermögens und durch den Gang meiner Geschäfte, daß ich kreditwürdig bin?" Kein Wunder, daß da immer wieder einmal der Übergang vom ehrlich mit Schulden erwirtschafteten Gewinn zum unehrlichen Schwindel stattfindet. Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf!

Und dem Staat, der an all dem sein Wohlgefallen hat, beschert die Konkurrenz zwischen Geldkapital, das hauptsächlich in Gestalt von mehreren Schuldtiteln seine Werke tut, und produktivem Kapital auch eine neue Aufgabe. Die Sache will beaufsichtigt sein, damit nicht übereifrige Banken durch ihren Bankrott den ganzen schönen Kreditüberbau kaputtmachen und das Vertrauen in "die Wirtschaft" zerstören, für das sie als zentrale Vermittlungsstelle von Schulden zuständig sind. Für die eventuelle Zufriedenstellung der Gläubiger, die sich die Bank schafft, muß sie schon eine Mindestreserve haben. Sonst sind nämlich im Nu die Schuldscheine, deren Annahme sie garantiert, kein anerkanntes Kaufmittel mehr. Dieses mit der Banknote entstehende Risiko hat es dem Staat letztlich ratsam erscheinen lassen, die Ausgabe von Krediten, die garantiert wie Geld funktionieren, in die eigenen Hände zu nehmen. Hinter Kreditzeichen des Staates steht eben dessen Gewalt - und die ist allemal etwas Handfesteres als das Versprechen von Zinsenschauflern.

Exkurs: Kapital ist Kredit - oder: Vom Wert gewisser Papiere

Wo das Bedürfnis nach Kredit jedem Geld einbringt, der welches übrig hat, betrachtet niemand ein Geldvermögen danach, was man für es kaufen kann. Es ist ja Einkommensquelle - und für seinen Gebrauch als solche ist es ziemlich egal, wo die Verzinsung herkommt. Nicht egal dagegen ist es, wieviel man für die Anlage seines Vermögens kriegt. Unter diesem Gesichtspunkt vergleichen vermögende Leute die Alternativen, welche "der Markt" und "die Banken" bieten. Dieses Angebot ist mit der Aktie um eine kapitalistische Schönheit erweitert worden. Aus der Not, daß sich angesichts der Konkurrenz viele Geschäfte nur ab einer bestimmten Größenordnung rentabel betreiben lassen, haben findige Burschen eine Tugend gemacht: Wozu ihr eigenes Vermögen nicht reicht, das ist immerhin durch den Zusammenschluß mehrerer Kapitalgeber zu machen; die müssen sich lediglich zu dem Betrieb, der ihnen teilweise gehört, wie Kreditgeber verhalten. Dann wird ihr Geld investiert, und sie erhalten als Anteilseigner einen am Geschäftserfolg bemessenen "Zins". Freilich ist die Sache damit noch lange nicht erledigt.

Einerseits erwachsen den Aktionären Pflichten, welche sich auf die erfolgreiche Führung des Geschäfts erstrecken. So sorgen sie als Eigentümer für die Bestückung der Firmenleitung mit einem Management, so daß jedermann sieht, wie wenig ihr Gewinn mit irgendeiner Leistung zu tun hat. Und sie verzichten auf den künftigen Zugriff auf ihr eingebrachtes Vermögen, da das Funktionieren der Firma eben nur gewährleistet ist, wenn ihr Kapital mitwirkt.

Andererseits haben sie im Reich der Freiheit weiterhin das Recht, mit ihrem Vermögen nach bestmöglicher Rentabilität zu streben. Wenn sie ihr Geld anderweitig arbeiten lassen wollen, dürfen sie ihren Anteil veräußern, so daß an ihrer Stelle ein anderer Teilhaber einsteigt.

Die Kunst, für ein Vermögen, das längst ausgegeben ist - für Anschaffungen der Firma nämlich -, auch noch Geld zu kriegen, verdankt sich einer Berechnung, die einen staunen läßt. Weil der Aktienbesitzer einen Anrechtschein auf soundsoviel % der von ihm zur Verfügung gestellten Summe hat, und weil jede Geldsumme als Kapital, also als Anrecht auf einen Gewinn gilt, ist die Urkunde Geld wert. Und zwar soviel, wie man Geld haben müßte, um denselben Gewinn zu machen. Der prozentuale Ertrag des Nennwerts einer Aktie, der Summe, die ihr Inhaber ursprünglich beigesteuert hat zur Aktiengesellschaft, wird mit den Zinsen, welche sonstige Geldanlagen bringen, verglichen - und siehe da, das Papier steigt und fällt in seinem - gar nicht vorhandenen - Wert. Ganz zu schweigen von den Gesetzen von Angebot und Nachfrage, die sich aus den Vorlieben für sichere Papiere ergeben und sehr gerne die Bewegung der Dividende übergehen.

Und noch mehr staunen macht einen der Tatbestand, daß das Vertrauen in Papiere, die längst verausgabtes Geld vorstellen, so weit geht, daß man sie beleihen kann, also Kredit mit ihnen kriegt. Banken kaufe sie nicht nur gern und werden so zu Mit-Eigentümern aller wichtigen Unternehmen der Nation; sie nehmen sie auch als Sicherheit. Der Staat regelt die ordnungsgemäße Abwicklung dieses Schwindels, so daß manche fiktiven Eigentumstitel gleich an fünf Stellen so gut wie Geld sind...

Schulden als Staatsaktion

Der Staat schützt seine Ordnung und auch sonst alles, was ihm lieb und teuer ist. Dafür braucht er Geld, und zwar zum schlichten Kauf all der Güter, von den schönen Künsten bis zur Verteidigung. Zu diesem Behuf sahnt er Steuern ab, die seinen sehr unterschiedlich bemittelten Bürgern auch unterschiedlich zu schaffen machen. Wenn das Geld nicht reicht, verschafft er sich zusätzliches - durch seine Verschuldung. Höchstförmlich verkauft er Schuldscheine, festverzinslich, und mischt kräftig in der Vermehrung von Eigentumstiteln mit, deren Gültigkeit er mit seiner hoheitlichen Gewalt allein garantiert. Während seine Schulden die Angebotsbreite des Geld- und Kapitalmarkts vergrößern und eine solide Basis für die Erweiterung des Kredits abgeben, gibt er das an Land gezogene Geld aus und sorgt für "Liquidität" bei allen, wo er Kunde ist. Die Rückzahlung seiner Schulden vollzieht er durch erneute Manöver derselben Art und besteht darauf, daß diese komplizierte Art des Gelddruckens etwas ganz anderes sei.

Der Staat unterhält auch eine Bundesbank. Zum Schutze der freien Konkurrenz vor ruinöser Geldschöpfung durch Geschäftsbanken hat er dieser Behörde das Monopol der Banknotenemission übertragen, und zur Beförderung des Geschäfts hat er ihr die Aufgabe zuerkannt, die Kreditversorgung seiner "Wirtschaft" zu gewährleisten sowie Geldpolitik zu treiben. Und was leistet er durch die fachmännisch-konjunkturpolitische Festlegung von Diskont- und Lombardsatz? Er garantiert eben die Versorgung seiner "Wirtschaft" mit allen Arten von Kredit und Geld, nach denen diese ein Bedürfnis anmeldet. Die Ersetzung von Geld durch Kredit ist ihm nicht nur selbstverständlich, sondern auch der Ausgangspunkt in allen Angelegenheiten, wo er sich am Reichtum der Nation bedient. Sooft er sich mit "Kaufkraft" ausstattet, tut er es durch die tatkräftige Aufblähung des Kredits, um dessen gedeihliche Benutzung er die tüchtigen Geschäftsleute der Nation konkurrieren läßt. Und da diese die ständig erweiterte Zahlungsfähigkeit für ihren Gewinn ausnutzen und kundig ihre Bilanzen um einige Mark aufbessern, um neue Geschäfte damit zu veranstalten, kann er erst einmal zufrieden sein. Seine Garantie, eine immer größere Anzahl von Kreditzeichen als Geld verwenden zu lassen, bewährt sich. Er hat eine Währung, in der sich nicht nur alles messen und berechnen, sondern auch Wachstum erzielen läßt. Insofern lohnt sich sogar - seine Verschuldung.