BEWEISE WESTLICHER WAFFENÜBERLEGENHEIT

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Dieser Artikel ist in der MSZ 4-1982 erschienen.
Systematik: 

BEWEISE WESTLICHER WAFFENÜBERLEGENHEIT

Besondere Auskunft über militärische Fragen des israelischen Vorgehens im Libanon läßt sich bei einer ebenfalls Krieg führenden Nation erwarten.

"Viele Militärattaches in Beirut sind der Meinung, daß die SU im Libanon einen schweren Rückschlag dadurch erlitten hat, daß die syrische Luftwaffe und ihre Raketenabwehrwaffen völlig versagt haben. Die F-15 und die Skyhawks der Israelis haben die MIG-23, die besten Maschinen im Besitz der Syrer, deklassiert. Die hochgespielten SAM-6-Raketenstellungen im Bekaa-Tal wurden ohne einen einzigen Verlust an Flugzeugen von den Israelis eingenommen. ... Genauso wie die Verkaufszahlen für Exocet-Raketen in die Höhe geschnellt sind, seit sie im Südatlantik zum Einsatz kamen, werden wir mehr und mehr Aufträge für amerikanische Flugzeuge und Elektronik erleben, sagte mir ein Attache. Und in Moskau wird man sich an eine sehr rasche Neuentwicklung ihres Raketensystems machen müssen." (The Daily Telegraph)

Auch das Lieferland dieser "sophisticated" Waren interessiert sich natürlich - ganz unbeschadet der Frage, ob die Israelis Lieferkonditionen bezüglich des Einsatzes der amerikanischen Ausrüstung mißachtet hätten - für die Einsatztauglichkeit gegen die Russen.

"Es war nicht gerade ein Tontaubenschießen, aber die israelische Luftwaffe gewann die Schlacht um die Luftherrschaft Im Libanon überraschend leicht. Selbst wenn die Erfolgsmeldungen aus Jerusalem übertrieben sind - 80 sowjetische MIGs abgeschossen, kein einziger amerikanischer Jet in israelischem Besitz verloren, alle 19 SAM-6-Abschußrampen zerstört -, steht doch außer Zweifel, daß sich die israelische Luftwaffe wieder einmal als furchtbare Streitmacht erwiesen hat. 'Sie haben keine Zaubertricks eingesetzt', erklärte ein Sprecher für das Pentagon. 'Alles, was sie benutzt haben, war lediglich eine überlegene Ausrüstung, ein überlegenes Training und eine überlegene Strategie." (Newsweek)

Und das schon im Fußball untaugliche Mannschaftssystem des Ostblocks zeigt auch im Krieg seine Unterlegenheit.

"Israelische Piloten werden sorgfältig ausgesucht, hart ausgebildet und bestens motiviert. Ihr Training im amerikanischen Stil befördert die persönliche Initiative in Kampfsituationen. Die Syrer auf der anderen Seite operieren gemäß der sowjetischen Doktrin eines zentralisierten Kommandos vom Boden aus. Syrische Piloten zeigten wenig Initiative oder Flexibilität bei der Reaktion auf rasch wechselnde Situationen."

Alles in allem,

"Israels Sieg bewies, daß amerikanische Waffen i kompetenten Händen so effektiv sind, wie es sich das Pentagon nur wünschen konnte." (Newsweek)

Der Waffengang gegen rrussisches Gerät kommt also keineswegs ungelegen. Der Einsatz unter Gefechtsbedingungen und die erfolgreiche Erprobung von Abwehrmaßnahmen gegen sowjetische Waffen läßt das Herz jedes Militärs höherschlagen, zu dem sich dank demokratischer Öffentlichkeit jeder rechnen darf.

"Aus libanesischen Geheimdienstkreisen verlautete, daß die Israelis drones - kleine, unbemannte Jets - ausgeschickt hätten als Ablenkungsmanöver vor ihren Jets. ... Als die Syrer die drones abschossen, konnten die Israelis die Funkfrequenz feststellen, mit der die Raketen arbeiteten. Zwei Angriffswellen israelischer Jets putzten daraufhin die Raketenbatterien weg und ergriffen verschiedene Gegenmaßnahmen auf Basis der Radiofrequenzen, um die Raketen außer Gefecht zu setzen. ... Libanesische Militärkreise ließen außerdem verlauten, daß die Israelis ihrer Ansicht nach amerikanische E-2C Hawkeye Aufklärungsflugzeuge - eine einfachere Version der Awacs - benutzten, um den Angriff auf die syrischen Raketenstellungen zu koordinieren...

Eine weitere Quelle aus dem libanesischen Geheimdienst kommentierte den Einsatz von so fortgeschrittenen waffentechnischen Mitteln wie Splitter- und Rasterbomben und den vermuteten Einsatz von Laser-geführten 'smart-bombs' und bemerkte dazu: 'Die Technologie ist der Sieger dieses Kriegs gewesen.'" (Int. Herald Tribune, 15.6.82)

Geradezu aus dem Häuschen über die westliche militärische Überlegenheit gerät der bundesdeutsche Militärpartner. Mitleid mit den Opfern ist da schnell abgehakt; gefragt ist die Vorstellungskraft, die Gewöhnung daran, wie es im Krieg zugeht - eben schrecklich.

"In immer neuen Wellen heulten israelische Maschinen mit ihren Bomben im Tiefflug über die Stadt. Raketen schlugen in Hochhäuser, Schiffe feuerten pausenlos. Beirut bebte, ganze Stadtviertel brannten - ein Inferno. Viele hundert Menschen kamen um.

Bei den Kämpfen haben die Israelis neun sowjetische T-72-Panzer zerschossen und mehrere erbeutet. Der T-72, der modernste Panzer der Sowjets, galt als unbesiegbar. Auch eine neue MIG-23 holten sie vom Himmel. Westliche Mllitärexperten wollen jetzt die Metallegierung des Panzers und die Trümmer der MIG-23 untersuchen." (Bild, 14.6.82)

Und das westdeutsche Fernsehen bemerkt, daß die Verluste sowjetischer Waffen "Schockwellen im Block der Sowjetunion und bei den russischen Klienten" auslösen müssen. Der Gegner - demoralisiert. Angst vor dem Feind kennt ein Bundesdeutscher jedenfalls offiziell nicht, so wenig, daß man sich sogar im Fernsehen bemüßigt fühlt, davor zu warnen, die Sowjetunion schon für besiegt und die eigenen verstärkten Rüstungsanstrengungen für überflüssig zu halten. Beide Seiten markieren genau die Stimmung, die eine siegesgewisse Verteidigungsbereitschaft fördert.