AUS RHODESIEN WIRD ZIMBABWE

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Dieser Artikel ist in der MSZ 2-1980 erschienen.
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Südliches Afrika
AUS RHODESIEN WIRD ZIMBABWE

"Die Leute waren nicht aggressiv, nur fast aus dem Häuschen vor Freude... Hubschrauber kontrollierten die aufgeregte, aber friedliche Menschenmenge... überall ertönte der Schrei des Hahns, und überall ahmten die Leute mit den Armen das Flügelschlagen des ZANU-Wappentiers nach" (Frankfurter Rundschau 5.3.80)

Wenn anläßlich der Unabhängigkeitsfeier am 18. April eine illustre Versammlung auswärtiger Freunde, also Interessenten - unter ihnen der oberste BRD-Völkerfreund Genscher, aber trotz intensiver eigener Bemühungen kaum ein Honecker - der neugeborenen Nation Zimbabwe samt ihrem zum "hochgebildeten" und "verantwortungsbewußten Staatsmann" beförderten Ex-"Terroristen" Robert Gabriel Mugabe und dessen neuerworbenen Freund und Staatspräsidenten mit dem ungemein einschlägigen Namen Canaan Banana ihre Reverenz erweist, wenn die Flagge gehißt, die Nationalhymne gespielt und die neue Regierung unter tatkräftiger Mithilfe Gottes und des Prinzen Charles vereidigt wird, dann haben nach dem Urteil aufgeklärter Neger und ihrer linken Freunde hierzulande die schwarzen Volksmassen dort drunten einen bedeutenden Sieg über Imperialismus und Neokolonialismus errungen.

Dabei geben nicht nur die gar nicht rassistisch gemeinten Lobsprüche westlicher Zeitungen über diese neue glänzende Bewährungsprobe des britischen Naturtalents zur Staatenbildung davon Zeugnis, daß der Sieg der Demokratie in Afrikas Südosten ziemlich genau das Gegenteil der Illusioin bedeutet, die kapitalistische Weltherrschaft hätte dort eine Bastion verloren. Was sich in Rhodesien bisher als demokratisch-christliches Bollwerk gegen schwarzen Kommunismus und den Vormarsch der SU bis zum Kap der Guten Hoffnung aufgespielt hat, wurde vom freien Westen gegen etwas unvergleichlich Angenehmeres eingetauscht: gegen Zimbabwe, einen unter allgemeinem Beifall der afrikanischen Staatenwelt etablierten, über alle antikolonialistischen Anfeindungen absolut erhabenen - Partner des Imperialismus.

Wahlkampf um Stamm-Wähler

Was das Demokratische an den Wahlen im nunmehrigen Zimbabwe war, darüber haben die westlichen Medien in dem ihnen eigenen Zynismus stets sehr realistische Auskunft gegeben. Mehrfach war etwa im Fernsehen zu verfolgen, wie der neue Premier Mugabe im Wahlkampf mit einer auf englisch (!) gehaltenen Rede über "dignity" bei geschätzten 200.000 Negermassen mühelos unbeschreiblichen Jubel auslöste - die Zeremonienmeister, die für den richtigen Einsatz sorgten, kamen ganz zwanglos mit ins Bild. Der interessierten Weltöffentlichkeit wurde so das erbauliche Schauspiel einer Volksmasse vorgeführt, die ebenso blind wie ehrlich begeistert zur bedingungslosen Unterstützung eines obersten Anführers entschlossen ist, ohne auch nur nach einer Verdolmetschung der schönen humanitären Prinzipien des von diesem Anführer geplanten Staatswesens zu verlangen - was vermutlich auch auf einige Übersetzungsschwierigkeiten gestoßen wäre. Die Gründe einer solchen geradezu idealen Übereinstimmung zwischen Volksführer und Geführten blieben ebenfalls nicht im Dunkeln: Feinsinnig wie sie nun einmal ist, bemerkte die Süddeutsche Zeitung den Tiefsinn des Begriffs "Stamm-Wählerschaft" unter afrikanischen Verhältnissen; und der Neuen Züricher war spätestens nach der Wahl eigentlich schon vorher alles klar gewesen:

"Nkomo ist es nicht gelungen, die Stammesgrenzen von Matabeleland, das ihm ohnehin sicher war, zu überwinden... Mugabes Mehrheit widerspiegelt die ethnische Mehrheit des Shona-Stammes (74 Prozent der Bevölkerung) gegenüber den Ndebele und den mit ihnen verwandten Kalanga (19 Prozent)" (6.3.80)

Die sehr direkten Methoden, deren die konkurrierenden Politiker sich bedienten, um den "Wähler-Stamm" ihrer Konkurrenten zu neutralisieren und den eigenen zu mobilisieren, wurden ebenfalls vorurteilsfrei vermerkt: die serienmäßigen Terroranschläge der Muzorewa-Partei, die von ihren Gegnern erfolgreich als Verräter an der "schwarzen Sache" denunziert wurde, verbunden mit einer Sympathiewerbung durch warme Gratismahlzeiten und T-Shirts, die nicht mit dem im freien Westen üblichen Freibier für politisierte Staatsbürger zu verwechseln sind, sondern einen ganz unpolitischen Stimmenkauf bezwecken; von Mugabes Seite wirksam gekontert durch populäre Gerüchte über geheime Fähigkeiten der ZANU-Leute herauszukriegen, welche Partei ein Stammesangehöriger gewählt hat:

"Ein Gerücht besagt, daß die ZANU mit 'black boxes' ausgerüstet ist, mit denen Parteifunktionäre in die Wahlurnen hineinsehen können; eine ähnliche Geschichte kursiert über russische Satelliten am Himmel über Zimbabwe." (Sunday Times, 17.2.80);

Was wiederum nicht bloß Muzorewa, sondern auch Kampfgenosse Nkomo zum Anlaß nahm, den Repräsentanten der weißen Macht, Lord Soames, um den kolonialamtlichen Ausschluß der ZANU-PF von den freien Wahlen anzugehen... usw. Bei alledem behielt die junge zimbabwische Demokratie im freien Westen eine überaus freundliche Presse - eine so freundliche, daß konservative Gazetten sich zu auch keineswegs bös gemeinten Mahnungen der folgenden Art genötigt sahen:

"Zuviel an Demokratieverständnis kann man nicht in das Ergebnis hineininterpretieren - was nicht zuletzt diejenigen, die vorher von einer Wahlfarce sprachen, jetzt auch bedenken sollten." (Neue Züricher Zeitung 8.3.80).

Dies mitbedacht bleibt unterm Strich dennoch das wohlwollende Urteil:

"Die Wahlen waren vielen Unregelmäßigkeiten und Brutalitäten zum Trotz insgesamt 'frei und fair'." (Süddeutsche Zeitung 5.3.80)

Darin stimmten UN- und Commonwealth-Beobachter, die Regierungen der freien Welt mitsamt ihrer öffentlichen Meinung und sogar die drei Fraktionen einer Delegation des deutschen Bundestages überein, die sich berufen fühlte, das Entstehen einer neuen Demokratie im reichen Süden Afrikas vor Ort zu begutachten.

Der Volkswille aus dem Lancaster-House

Das Demokratische an den Wahlen in Rhodesien, das den Westen mit so entschlossener Zufriedenheit erfüllt, liegt also offenkundig darin, daß sie überhaupt gelungen sind - und das hat sich eben nie daran bemessen, mit wieviel "Demokratieverständnis" die schwarzen Massen an die Urnen gegangen sind oder ob sie überhaupt eine Vorstellung von der Staatsgewalt haben, um die ihre Anführer konkurrierten. Folglich wurde es auch weder durch die Todesopfer beeinträchtigt, die der Wahlkampf gekostet hat, noch erst recht durch das - im Gegenteil von allen Seiten als demokratischer Geniestreich der Briten gepriesene - Zwei-Rassen Wahlrecht, das der Viertelmillion Weißer 20% der Parlamentssitze sicherte, also einen Weißen für etwa 7 Neger zählte, um der bislang allein herrschenden Minderheit den Übergang zur "majority rule" ein wenig schmackhafter zu machen. Was in so befriedigender und feiernswerter Weise gelungen ist, das ist die Ausnutzung all dessen, was es unter den schwarzen Massen Rhodesiens an Unzufriedenheit mit dem eigenen kläglichen Los gegeben hat, für die beifallsumrauschte Errichtung einer Staatsgewalt namens Zimbabwe, über deren Zwecke und Vorhaben das Eine nie zweifelhaft war: Zu den Nöten ihrer schwarzen Untertanen verhält sie sich wie Mugabes englische Ausführungen über "dignity" zum Wortschatz seiner Zuhörer; um so genauer kennt sie sich in den wirklichen Grundlagen und Bedingungen ihrer Existenz aus.

Bewährt hat die Demokratie sich also wieder einmal darin, die Bedürfnisse und Interessen einer ziemlich gründlich ausgepowerten Volksmasse in Begeisterung für eine Herrschaft zu übersetzen, ohne daß in dieser Übersetzung von den Bedürfnissen und Interessen der Massen irgendetwas anderes übrigbleibt als ihre Negation. Und ihre ganz besondere afrikanische Bewährungsprobe hat die zimbabwische Demokratie insofern bestanden, als ihr dieses Übersetzungskunststück mit den Bedürfnissen und Interessen von Leuten gelungen ist, die von ihrer frei gewählten Herrschaft noch nicht einmal ein falsches politisches Bewußtsein haben, denen also noch nicht einmal der staatsbürgerliche, 'demokratieverständige' Fehlschluß von ihrem Elend auf Notwendigkeit und Nützlichkeit einer staatlichen Gewalt, die für dessen funktionalen Fortbestand sorgt, geläufig ist. Denn schließlich sind es nicht die soeben zu "freien und fairen" Wahlen geströmten schwarzen Massen gewesen, die den herrschenden Weißen diese Wahlen aufgezwungen hätten - im Gegenteil: Dieselben Massen sind vor noch nicht langer Zeit zu der von der Smith-Regierung veranstalten Muzorewa-Wahl geströmt. Und daß die patriotischen Kampforganisationen nicht die geringsten Schwierigkeiten gehabt und gemacht haben, sich auf den Befehl ihrer Anführer hin dem Feind von gestern in die Hände zu liefern, die Wahl als Ersatz für ihren Kampf zu akzeptieren und sich nach erfolgter Wahl dem Oberkommando der gegnerischen Armee unterzuordnen, das zeigt schlagend, daß sie nie von einem anderen politischen Willen beseelt waren als dem ihrer Führer, an die Macht zu kommen - nicht weniger, aber auch nicht mehr -, und schon gar nicht von einem politischen Reformprogramm. Der Wille der schwarzen Massen, wie er sich in der Wahl geäußert hat, ist also alles andere als der Wille eines politisierten Volkes zur Errichtung eines regulären modernen Nationalstaates. Unter Berufung auf ihn einen Staat machen, das geht allerdings schon, denn einzig und allein dazu, ihren Wahlakt als Wille zur Staatsgründung zu nehmen, sind die Massen ja befragt worden, ob sie ihren jeweiligen obersten Stammesgenossen auch wirklich mögen, und dürfen so die Konkurrenz ihrer politischen Elite um die Macht im neuen Staat entscheiden.

Das ist also das gelungen Demokratische an den zimbabwischen Wahlen: nicht, daß da die Staatsgewalt vom Willen ihrer Untertanen abhängig gemacht worden wäre - über Zimbabwe als Resultat war vorweg längst entschieden, und zwar nicht zufällig im Lancaster-Haus in London -; auch nicht, daß da ein Volk die Staatsgewalt mit seinen Interessen, ja auch nur mit der politischen Paraphrase seiner wirklichen Bedürfnisse konfrontiert und den Bestand der Regierung von einem auch nur formellen Respekt vor seinen politisierten Interessen abhänig gemacht hätte; sondern: daß da der Wille etlicher auswärtiger Mächte den rhodesischen Staat auf zimbabwisch zu reorganisieren, den Weg gefunden und beschritten hat, sich als der Wille des betroffenen Volkes darzustellen und in dessen ansonsten belangloser, deswegen auch hinsichtlich seiner Gründe uninteressanten Entscheidung über die Person des Regierungschefs sich zu verwirklichen.

Marxist entpuppt sich als guter Neger

Was die zu diesem Erfolg der Demokratie gehörige demokratische Illusion, bei den Wahlen hätte irgendetwas auf dem Spiel gestanden, schlecht und recht amn Leben erhält - neben aller zynischen Offenheit von Politikern und Journalisten über den wirklichen Zweck und Ertrag der gesamten Operation -, das sind die entsprechend breitgetretenen Symptome eines (angeblichen oder wirklichen) Schocks bei der rechten Fraktion der britischen Konservativen sowie unter den weißen Siedlern - denen gegenüber fällt die Profilierung als Negerfreund wahrlich leicht! Der Wahlsieger selbst jedenfalls tut alles, um jeden Schatten einer Besorgnis zu zerstreuen, sein Wahlsieg könnte sich weniger bruchlos als der seiner geschlagenen Konkurrenten in die politischen Absichten und Perspektiven der Commonwealth-Vereinbarung über die Umwandlung Rhodesiens in Zimbabwe einfügen - er ist sich, wie gesagt, offensichtlich wohl bewußt, daß die Wählerstimmen, die ihn an die Macht gebracht haben, nichts mit der Staatsmacht zu tun haben, geschweige denn deren Grundlage bilden, an die sie ihn nach internationalem Beschluß haben bringen dürfen.

Die Wirtschaft des Landes soll und wird in den bewährten Händen weißer Farmer und ausländischer Kapitalisten bleiben, die sie bereits erfolgreich durch das 15-jährige UNO-Embargo 'hindurchgerettet' haben - nämlich so, daß dem Außenhandel des Landes die Diversifizierung seiner Produktpalette gelungen und die Position des zweitwichtigsten Lebensmittellieferanten Afrikas und Chromlieferanten der Welt (beides hinter Südafrika) zugewachsen ist. Daß die freie Welt, wenn sie sich schon ein autonomes Zimbabwe leistet, dafür auch ökonomische Vorteile erwartet, ist eben eine elementare Selbstverständlichkeit für einen "moskauhörigen Marxisten", "roten Teufel und Kinderdieb", der in Rekordzeit den Weg zum Politiker "von überragender Intelligenz" und "gottesfürchtigen Katholiken" zurückgelegt hat, der seit seinem Wahlsieg jedermann versichert:

"Zimbabwe macht ernst mit der Blockfreiheit!"

und sich vor Journalisten darüber amüsiert, daß ihm der Westen eine solche "Wandlung" nicht zugetraut hat. Irgendwelche die Wirtschaftskraft des Landes gefährdenden sozialistischen Experimente, etwa mit brachliegenden Ländereien in den Reservaten der weißen Farmer, oder gar die Verschleuderung guten Bodens an die unterernährten Massen von Subsistenzbauern im Lande sind nicht zu befürchten von einem Mann, der immer schon seine feste Absicht bekundet hat - und glücklich ist, endlich mit ihr Gehör und Vertrauen zu finden -, er wolle "niemandem etwas wegnehmen", sich "nicht in die freie Marktwirtschaft, seien das Farmen, Bergwerke oder Industriebetriebe" einmischen, vielmehr "die gegebene Situation respektieren" und als einzige Neuerung "aus den Schwertern Pflugschare schmieden". Für die Existenzbedrohung und -vernichtung der schwarzen Landbevölkerung durch die flotte Unterordnung des Landes unter Weltmarktbedürfnisse hat Mugabe das Rezept parat, sie durch ganz viel afrikanisch-christlich-sozialistische Solidarität unter den Betroffenen zu ergänzen. Die geplante Vereinigung "des Guten aus dem Westen mit dem Guten aus dem Osten" stellt er sich folgendermaßen vor:

"In dieser Situation muß die Eigennützigkeit individualistischen Kapitalismus der Selbstlosigkeit des kollektiven Sozialismus weichen... Gleichwohl erkennt ZANU die historischen, sozialen und die anderen bestehenden praktischen Realitäten Zimbabwes. Eine dieser Realitäten ist das kapitalistische System, das nicht über Nacht umgestaltet werden kann". (Wahlmanifest der ZANU-PF, Frankfurter Rundschau 17.3.80)

Gebildeter Politiker genug ist Mugabe auch, um sich ohne große ideologische Schmerzen und falsche Rücksichtnahmen auf seine schwarzen Landsleute mit dem besonderen Ergebnis des rhodesischen Kolonialismus zu arrangieren, daß die traditionelle Selbstverwaltung des Landes durch weiße Siedler in noch weit geringerem Umfang als sonst in Afrika eine zur Machtübernahme bereite politisierte schwarze Elite hat hochkommen lassen. Dies nebenbei der Grund für die Absonderlichkeit, daß sich in den höheren Etagen der politischen Konkurrenz lauter schwarze Pfaffen tummeln: Nur die Kirchen haben sich einheimische Spitzenfunktionäre herangezüchtet. Mugabe schmiedete nicht nur eine Große Koalition mit seinem Intim-Rivalen Nkomo, er ist auch zu jedem Zugeständnis - nicht zuletzt an den Pensionsfonds für die weißen Beomten - bereit, um sich das "politische know-how" der Agenten der alten Herrschaft für seine neue zu erhalten. Er holt sich Smith-Gefolgsleute - wenn auch nicht gerade diesen selbst; aber das ist auch das einzige, was noch fehlt! - in sein Kabinett, und an die Spitze der neuen zimbabwischen Streitkräfte komplimentiert er den Oberkommandieren den der alten rhodesischen Armee, die er während seines Guerillakrieges offenbar schätzen gelernt hat. Ob Mugabe dabei nur, wie - sicher zu Unrecht - Linke ihm zugute halten wollen und Rechte ihm vorwerfen, aus taktischen Rücksichten mit der alten Staatsgewalt kollaboriert oder ganz überzeugt und vorbehaltlos, ist völlig gleichgültig. In jedem Falle ist die Fortführung Zimbabwes als ein dem westlichen Imperialismus genehmes Staatswesen der Zweck seiner Politik. Und deren Erfolg beschränkt sich keineswegs auf eine wohlgesonnene Presse:

"Die Weißen im Lande sitzen auf ihren Koffern" (Bonner Generalanzeiger, 5.3.80);

"Die Weißen haben das Packen der Koffer zunächst aufgeschoben" (Frankfurter Rundschau, 6.3.80);

"Inzwischen erscheinen auch immer mehr Aktenköfferchen tragende blasse Europäer im Straßenbild von Salisbury: Big Business hat seine große Stunde" (Süddeutsche Zeitung, 1.4.80).

So gibt der blütenreine Erfolg den Briten recht und irgendwie auch der antiimperialistischen Millionenspende des KBW. Die Aussichten für ein inniges politisches Einvernehmen mit einer in ganz Afrika respektierten Macht sind für den Westen ebenso günstig wie die auf einen großartigen Aufschwung der Geschäfte. Die schwarzen Massen, denen "nach dem Rausch der Unabhängigkeit" die schöne Aufgabe bevorsteht, diesen Aufschwung mit einer weiteren Einengung ihres Subsistenzraums und einer weiteren Ausdehnung des Arbeitsplatzangebots für private oder staatliche Lohnsklaverei zu bezahlen, sind fest in der Hand einer selbstgewählten vernünftigen Herrschaft - daß mit Mugabe die "radikalste" Alternative an die Macht gelangt ist, mag sich da noch als schätzenswerter Vorteil erweisen. Daß die Herrschaft vernünftig, kooperationswillig und effektiv bleibt, ist durch die kaum angefochtene Position ihrer weißen Funktionäre fürs erste und durch ein "substanzielles bilaterales Hilfeprogramm" Großbritanniens für die Organisation des gesamten Herrschaftsapparats - öffentlicher Dienst, Rundfunk und Fernsehen, Polizei, diplomatischen Dienst und Armee - auf Dauer sichergestellt. Kurzum: alles läuft so glänzend, daß liberale Pressemenschen bereits bedenklich in die Zukunft blicken und aus besorgter Solidarität mit Mugabes Herrschaftsproblemen schwierige Zeiten für den Fall prophezeien, wenn seine Wähler von heute dereinst feststellen sollten, daß es ihnen überhaupt nicht besser geht als unter weißer Herrschaft.

Die Legende vom Sieg im Volkskrieg

Die Aussichten des freien Westens auf solche schönen Aussichten im einen, auf fortdauernd ungeklärte Verhältnisse in seinem liebsten Hinterhof im anderen Fall waren diesem Grund genug, die rhodesische Siedleroligarchie durch eine wohldosierte majority- rule zu ersetzen und den schwarzen Kontinent um ein antikolonialistisches Zimbabwe zu bereichern, um das seine einheimischen Führer andernfalls noch lange vergeblich hätten kämpfen können - schließlich war die "Ausdehnung und Konsolidierurg der befreiten Gebiete" (Wahlmanifest) so enorm fortgeschritten, daß die Guerilla-Stützpunkte nach wie vor sämtlich in den Frontstaaten lagen und dort auch die Gemetzel der rhodesischen Armee stattzufinden plegten. Und dem Interesse der Sowjetunion an Schwachstellen des Imperialismus und eigenen Einflußsphären verdankten die "Befreiungsbewegungen" zwar alles, was sie an Mitteln und Kampfkraft besaßen, aber bei weitem nicht genug, um die Macht zu erobern und dem Mutterland der Völkerfreundschaft fortan als verbündeter Staat mit total zerstörter Ökonomie zur Last zu fallen. Sehr souverän hat der Westen das autonome Zimbabwe aus der Taufe gehoben - und deswegen ist es auch nur gerecht, daß unter den 1000 Ehrengästen der Taufparty weder KBW noch DDR vertreten waren, dafür aber der Prinz Charles und der deutsche Genscher saßen und die Bibel bei der Vereidigung der Regierung eine große Rolle spielte. Im weltweiten kapitalistischen Interesse an einem anspruchslos und ohne Reibungsverluste funktionierenden Südostafrika hat Großbritannien eine diplomatisch-politische Front beseitigt, die schon längst ganz überflüssig war. Der ärgste Preis, den es dafür zu entrichten hatte, war ein Tänzchen von Lady Thatcher mit einem begriffslos-hageren Negerpräsidenten auf der Commonwealth-Konferenz, die das alles beschloß und in die Wege leitete. Sogar das Glückwunschtelegramm an den Wahlsieger konnte es sich sparen. Erkauft wurde damit ein erstklassiger Erfolg in der Konkurrenz mit dem Ostblock um die Aufteilung des Südens der Erdkugel. Daß die weißen Farmer per Saldo die Hauptleidtragenden dieses ganzen "Kuhandels" wären, ist ebenso ein Gerücht wie die angebliche Schlappe des Imperialismus: Die werden schon wissen, weshalb sie ihre Koffer wieder auspacken. Sicher, sie sind nicht mehr die exklusiven Inhaber der politischen Macht, sondern teilen fortan mit den schwarzen Massen die fragwürdige Qualität, zimababwisches Staatsvolk zu sein. Über ihre politischen Grundsätze ist der Imperialismus mit der ihm eigenen Unbekümmertheit um rassistische Ideologien glatt hinweggegangen; den Maßstab seines Nutzens hat er nachdrücklich und rücksichtslos gegen die autonome Nutzenabwägung einer weißen Minderheit durchgesetzt, die sich ihren ökonomischen Besitzstand nicht ohne die politische Trennung zwischen sich als Staatsbürgern und den Schwarzen als rechtlosem Arbeitsvieh vorzustellen vermochte. In eben diesem Punkt jedoch belehrt der Imperialismus die weißen Siedler derzeit eines Besseren. Für das Funktionieren der politischen Herrschaft im Lande, und zwar bis hin zu einer effektiven Arbeitsorganisation auf den Feldern, mögen weder die interessierlen Auslande noch die schwarzen Wahlsieger auf sie verzichten: Dafür sind sie immer noch nützlich genug, um die privilegierten Nutznießer dieser Herrschaft zu bleiben.

Angeschissen sind mal wieder und wie stets die jubelnden Negermassen. In der Tat, ein schöner Sieg der Demokratie in Afrika.