Aids is always and everywhere!

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Dieser Artikel ist in der MSZ 7-1987 erschienen.
Systematik: 

Aids is always and everywhere!

Die beiden Professoren Eilke Helm und Wolfgang Stille, die an der Frankfurter Universitätsklinik die Behandlung von Aids-Patienten leiten, haben es fertiggebracht, in einem Memorandum Gott und den gesamten kapitalistischen Alltag der Zukunft unter das Problem "Aids" zu subsumieren:

"Arbeitgeber aus ganz unterschiedlichen Branchen werden erhebliche Verluste durch Erkrankungen ihres eingearbeiteten Personals erleiden. Mittelfristig wird auch die Konsumgüter-Industrie erhebliche Umsatzverluste durch Erkrankung und Tod einer kaufkräftigen Bevölkerungsschicht erleiden... Demotivierung, Kinder in die Welt zu setzen... Durch die Umstrukturierung der Bevölkerungspyramide verändern sich die Grundlagen für den Generationenvertrag der Rentenversicherung. Mit dem Thema Aids sind aber auch vitale Interessen der Banken tangiert. Wenn zehn Prozent der potentiellen Immobilienkäufer gestorben sind, ein weiterer hoher Prozentsatz entweder krank oder entmutigt ist, dann scheint es unausbleiblich, daß - zumindest auf längere Sicht - der Immobilienmarkt durch Aids kollabieren wird.... Aids dürfte zumindest für einen gewissen Zeitraum zu einem erheblichen Selektionsvorteil der DDR im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland führen." (Spiegel Nr. 18/1987 )

So avanciert eine Krankheit vom Gegenstand medizinischer Betrachtung zum Standpunkt einer nationalislischen Weltanschauung.