5 LEKTIONEN IN SACHEN SOLIDARITÄT MIT DEM GROSSEN BRUDER

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Dieser Artikel ist in der MSZ 2-1980 erschienen.
Systematik: 

5 LEKTIONEN IN SACHEN SOLIDARITÄT MIT DEM GROSSEN BRUDER

Die westlichen Politiker und ihre Öffentlichkeit sind übereingekommen, die Kalkulation eines Krieges im Nahen-, Mittleren-, oder im Osten überhaupt als Weltkrise zu diskutieren und neben den Vorbereitungen auf die militärische Auseinandersetzung ihre Sorge um die Bewahrung des Friedens zur Schau zu stellen. Die Staatsmänner der westlichen Welt, die NATO-Aufrüstungsbeschlüsse fassen, ein Handelsembargo gegen den Osten verhängen, Persien offen mit blutigen Strafaktionen drohen und nebenbei auch noch dem Veranstalter der Olympiade eine moralische Niederlage beibringen, die demokratischen Macher also, sind zugleich diejenigen, die vor der drohenden Gefahr und den unkontrollierbaren Folgen eines 'neuen 1914' warnen. Allen voran Kanzler Schmidt, der aus nationalem Interesse nicht wenig zur Schlagkraft des westlichen Bündnisses beiträgt, und diese Politik mit der Lüge von der Ohnmacht und erzwungenen Bündnistreue des 'politischen Zwergs' begleitet. Deutschen Schriftstellern fällt dazu nichts weiter ein, als eine Friedensbitte an den Kanzler im Namen der Deutschen Nation.

Der Fortschritt des westdeutschen Sozialismus

Der organisierte und unorganisierte Auflösungsprozeß der westdeutschen Linken ist kein Grund zur Schadenfreude, aber auch kein Argument für eine 'Krise des Marxismus'. Diejenigen, die die Verhältnisse verändern wollten, weigern sich ihre Interpretationen, die sie sich über die Welt gemacht haben, zu korrigieren. Stattdessen haben sie ihren Interpretationen den eigenen Willen zur Veränderung geopfert. Im großen sozialistischen Konferenzpalaver unter Anleitung von R. Bahro diskutieren sie nur noch über sich selbst und ihre grüne Hoffnung.

DIE LINKE BEWEGT SICH WEITER

In die Wegwerf-Gesellschaft geworfen

Die respektvollen Nekrologe, die Sartre von allen Seiten zuteil geworden sind, können nicht darüber hinwegtäuschen, daß er einer der großen Mißverstandenen unserer Zeit gewesen ist. Für seine Gegner war er ein Linker und Nihilist, obwohl er sein Leben lang für Freiheit und Selbstverantwortung gestritten hat; für seine Bewunderer Prophet einer neuen Lebensweise, obwohl er bis zuletzt nur Philosph und Schriftsteller sein wollte. So verschaffen ihm die Nachrufe den Ruhm, der ihm gebührt: Geschichte gemacht zu haben - Literatur- und Philosophiegeschichte.

J. P. SARTRE - EIN NACHRUF