40 JAHRE ÖSTLICHES UNRECHT GEGEN DEUTSCHE

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Dieser Artikel ist in der MSZ 7-1984 erschienen.
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40 JAHRE ÖSTLICHES UNRECHT GEGEN DEUTSCHE

Die Sudetendeutschen gaben zu Pfingsten wieder einmal den angeblich "vom Aussterben bedrohten Deutschen" ein Vorbild: Sie werden immer mehr! In München "rotteten sich 150.000 zusammen" - so formulierte die Regierung der CSSR in einer von Bonn "scharf zurückgewiesenen" Protestnote - und feierten im Angesicht einer Landkarte mit erklecklichen Teilen des Territoriums der CSSR und der VR Polen ihr "kulturelles und geschichtliches Erbe".

Lange vorbei sind die finsteren Zeiten, in denen bestimmten Sprechern der Landsmannschaft selbst von demokratischen Politikern Revanchismus unterstellt wurde, weil die Heimatvertriebenenpolitik nicht zur Sprachregelung der Ostpolitik in "Entspannungszeiten" paßte. Erstmals nahm mit Carstens der Bundespräsident am "Deutschland-Treffen" teil und verkündete als Programm der ganzen Nation, worauf die Vertriebenenpolitiker ihren "Rechtsanspruch" gründen:

"Die deutschsprachigen Gebiete Böhmens und Mährens waren historisch gesehen Kernlandschaften deutscher Kultur. Dieses sudetendeutsche Kulturerbe ist ein wesentlicher und unverlierbarer Teil der deutschen Kultur."

Nun ist dem Bundes-Karl selbstverständlich die Kultur mindestens ebenso scheißegal, wie das deutsche Erbe in Elsaß-Lothringen, obwohl das Straßburger Münster im Vergleich mit der Egerländer Blasmusik nicht schlecht abschneiden würde. Aber gegen die "kommunistische Unkultur", gegen die die gesamte NATO mobilmacht, eignen sich deren bei uns ansässig gewordene "Opfer" bestens, um die alten Rechnungen mit aktuellem Zahlenmaterial offenzuhalten bzw. ganz neu aufzumachen. Die Vertriebenenfunktionäre haben denn auch die für sie günstige politische Konjunktur erkannt und formulieren zeitgemäß flexibel. Staatssekretär Neubauer (CSU) für die Sudeten:

"Die runehmende Entnationalisierung der etwa 100.000 noch in der CSSR lebenden Deutschen ist ein Verstoß gegen ihre verfassungsmäßigen Rechte, gegen die Schlußakte der KSZE und die UNO-Menschenrechtskonvention."

Und Bundesminister Windelen (CDU) forderte "Volksgruppenrechte für die in Polen lebenden Oberschlesier". Es wird also nicht mehr die Parole "Heim ins Reich!" für die "ehemaligen deutschen Ostgebiete" ausgegeben, sondern ganz offen die Forderung aufgestellt, die im Feindesland verbliebenen Landsleute zu einer vorgeschobenen Bastion auszubauen, bis das Freiheitsreich auch zu ihnen kommt. Windelen "warnte" davor, die "nationale Frage auf eigene Faust zu lösen" und verwies auf die Europawahlen, mit denen der Wille demonstriert werden kann, gleich ganz Europa "im Einvernehmen mit unseren Nachbarn" zu befreien. Strauß: "Nur in einem kraftvollen, in Freiheit geeinten Europa, können die europäischen Völker auch künftig ihre weltgeschichtliche Rolle spielen." Deshalb wies er den "Vorwurf des Revanchismus und Nationalismus" zurück: Als NATO-Internationalismus setzt der deutsche Nationalismus aufs Bündnis, und das will nicht bloß eine deutsche "Revanche", sondern den westlichen Endsieg.

Bleibt noch nachzutragen, daß Ex-Arbeitslosen-Präsident Stingl den Karlspreis erhielt für seinen "Brückenschlag von Mensch zu Mensch" (hier nicht von Lohnarbeiter zu Kapitalist), sondern als "gebürtiger Egerländer", und daß Außenminister Genscher bei den Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben vom rumänischen Botschafter in der BRD begleitet wurde, während der tschechische Gesandte über die "Pfingstfeiertage aus Bonn zurückgezogen" wurde. Auch dies ein "Zeichen" dafür, "was in den letzten 15 Jahren zwischen West und Ost in Europa gemeinsam erreicht wurde" (Genscher).