4 NEKROLOGE, 1 WÜRDIGUNG

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Dieser Artikel ist in der MSZ 4-1982 erschienen.
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4 NEKROLOGE, 1 WÜRDIGUNG

Romy Schneider und Rainer Werner Fassbinder - wie wir sind sie in den sechziger Jahren aufgebrochen, die Welt zu verändern. 1968 schieden sich unsere Wege; während Romy nach Paris ging und fortan auf Claude Sautet und Michel Piccoli setzte, Rainer Werner auf Hannah Schygulla und das Bundesfilmförderungsgesetz, hatten wir uns für Marx, Engels und Lenin entschieden. Unsere Wege trennten sich, doch wir haben weder Romy Schneider noch Rainer Werner Fassbinder ganz aus den Augen verloren, wobei auch jetzt nicht verschwiegen werden soll, daß wir uns sie immer noch lieber angeschaut haben als seine Filme. Anderen unter unseren Lesern mag es genau umgekehrt gegangen sein. Und wir behaupten nicht, auch und gerade nicht angesichts der tragischen Umstände, daß der Erfolg uns schon deshalb Recht gibt, weil wir noch weitermachen.

Herbert Quandt hat sich mit mehreren Seiten Todesanzeigen in allen seriösen Tageszeitungen ebenfalls unlängst verabschiedet. Was soll man zu ihm groß sagen? Außer zum Mehrheitsaktionär bei BMW hat er es zu nichts Großem gebracht. Genau genommen war er nicht einmal ein Schreibtischtäter, weil er nur die Dividenden einstrich, die andere für ihn aus denen herausholten, die wahrscheinlich allein deshalb nicht zum Trauern angehalten werden, weil sie gar nicht wissen, daß es ihn gab. Die Einsamkeit des Kapitalisten beim Couponschneiden - das ist nicht einmal ein Filmstoff und an der Last des unternehmerischen Risikos ist er sicherlich nicht gestorben. Im Tode noch ist er ein einziger Witz auf die alberne These, eine "Handvoll Monopolkapitalisten" seien an allem Schuld. Wird bei BMW noch gearbeitet, Steuern bezahlt, Abgaben entrichtet oder nicht? Wer baut denn die 4-türige 6er Serie - na eben!

Nicht verblichen ist der ÖTV-Vorsitzende Heinz Kluncker, obwohl sich die Kommentare zu seinem "überraschenden" Rücktritt wie Nekrologe lesen. Die öffentlichen Arbeiter haben vom Ausscheiden ihres "Interessenvertreters" keinen Schaden - wer immer sein(e) Nachfolger/in werden wird, an der Politik auf Kosten der Arbeiter ändert sich nichts. Bedauerlich ist Klunckers Ausscheiden eher für die Bourgeoisie: Der Mann tat ihr den Gefallen, so auszusehen, wie es sich die hämischste Rancune gegen einen Gewerkschaftsfunktionär selbst im Traum nicht gelungener ausmalen kann. Daß weder die Gemeinheit, die vom Arbeitervertreter freiwillige Askese als moralischen Ausweis verlangt, recht hat, noch die Arbeiter bemerkt haben, daß zu der ihnen von ihren eigenen Vertretern abverlangten, tarifvertraglich vereinbarten Askese, die starken Sprüche eines Kluncker paßten wie die Schlägerei zur Bauernhochzeit - das machte den Kluncker wirklich zu einer der "eindrucksvollsten" Figuren der westdeutschen Gewerkschaftsbewegung.

Noch am gleichen Tag eingegraben wurde Saudi-Arabiens König Chalid nach seinem Verscheiden. Als "Ölscheich" fing er an und als "weiser, verantwortungsbewußter Staatsmann" (Kanzler Schmidt) ging er von hinnen. Das reicht auch schon als Nachruf, weil die Konjunkturen seiner Biographie ganz in die Zuständigkeit des Imperialismus fallen.