25 FOLGEN SKEPTISCHE EINFÜHLUNG IN DIE PROBLEME EINER IMPERIALISTISCHEN AGENTUR

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Dieser Artikel ist in der MSZ 9-1988 erschienen.
Systematik: 

"taz"-Serie zu IWF und Weltbank
25 FOLGEN SKEPTISCHE EINFÜHLUNG IN DIE PROBLEME EINER IMPERIALISTISCHEN AGENTUR

Ist das Schlimme am Imperialismus die Existenz von Behörden, die die fortdauernde Kreditwürdigkeit ruinierter Staaten managen? Sind diese Instanzen wenigstens das Wichtigste, was es vom Weltmarkt zu berichten gibt? Oder täuscht sich die "taz" ein wenig, wenn sie sich bei einer Betrachtung des Weltmarkts ausgerechnet auf eine Kritik von dessen Wurmfortsätzen Internationaler Währungsfond (IWF) und Weltbank kapriziert.

Die 25 Folgen ihrer Untersuchung von IWF und Weltbank bestreitet die "taz" mit der Frage, ob es ihnen - wie sie von sich behaupten - gelingt, "das Weltschuldenproblem zu lösen". Wenn IWF und Weltbank das von sich behaupten, so werden sie schon ihre Gründe für die Imagepflege haben. Aber wo bleibt die Kritik, wenn man Bankern ihre eigenen Hochglanzbroschüren vor die Nase hält? Und wer blamiert sich da eigentlich: die IWF-Manager oder die Experten von der "taz", die sich zum Zweck der skeptischen Entlarvung ausgerechnet auf den Standpunkt von IWF und Weltbank (bzw. das, was sie dafür halten) stellen? Seit wann gehen denn Sorgen um den Erfolg solcher Institutionen deren Kritiker etwas an? Gibt es nicht schon genug Zuständige?

Wenn die "taz" nicht den IWF und die Weltbank, sondern deren Selbstbildnis ins Visier nimmt, so als wäre das die Sache, dann steht eine Botschaft schon fest: Daß sie ungeeignete Instanzen für die Lösung weltweiter Probleme sind, habe man zu bemängeln und ihnen damit ebensoviel Distanz wie ihren Problemen das ihnen gebührende Verständnis entgegenzubringen. Und wenn man dann noch sieht, daß ihr Scheitern sein muß, dann bringt einen garantiert nichts und niemand mehr aus der Fassung. Die Entdeckung des abstrakten Widerspruchs frommer Vorsätze und einer an deren mangelnder Realisierung krankenden Welt macht abgeklärt und gestattet dennoch allerhand vorwitzige Fragen: Sind die hochgesteckten Programme von IWF und Weltbank gut gemeint und hat man/frau folglich angesichts der Resultate des weltweiten Imperialismus deren Scheitern zu bedauern ? Oder ist Häme angebracht? Oder handelt es sich bei der behaupteten Gutartigkeit der Vorhaben dieser Instanzen bloß um ein böswilliges Manöver zur Täuschung der Öffentlichkeit?

Eine Kritik, die sich in der Blamage der Selbstdarstellung imperialistischer Einrichtungen erschöpft, interessiert sich weder für deren Aktivitäten noch verliert sie ein paar vernünftige Worte über deren idealisierende Selbstbeweihräucherung, an der ihr nicht das Ideal verdächtig ist, sondern lediglich, ob sich die Beklagten zu Recht mit ihm schmücken dürfen. Mit der Frage: "Glaubt Ihr, ob IWF und Weltbank willens und imstande sind, gewisse bedeutsame Problematiken der Weltwirtschaft zu lösen?" stehen weder deren Kreditvergabepraktiken noch die Jahresberichte, die sie darüber verfertigen, auf dem Prüfstand. Abgefragt wird einzig und allein das Vertrauen des Betrachters in die Würdigkeit "seiner" politischen Agenturen. Hierzu möchte die "taz" ihrem Publikum den Rat antragen, es sich bei der Beurteilung dieser beiden Organisationen nicht u einfach zu machen: Hier handelt es sich nämlich um einen klaren Fall von komplizierten Strukturen. Ohne jede Menge Hineindenken in deren Problemlage ist Distanzierung von ihnen nicht zu haben. Erstens können sie nicht, wie sie wollen. Aufgrund ihres Scheiterns muß zweitens die Frage erlaubt sein, ob sie überhaupt um das Richtige stets strebend sich bemühen. So ist drittens zu wünschen, der vom IWF verbaselte Wirkungsmechanismus der Weltwirtschaft möge endlich zum Klappen gebracht werden. Viertens bleibt jedoch die Skepsis, ob ausgerechnet dem IWF die Lösung gelingt, die uns allen am Herzen liegt.

Wie man einen Popanz aufbaut...

Der "taz" geht es um die Enthüllung des Scheiterns von IWF und Weltbank. Nach der bewährten dramatischen Faustregel: Je erhabener das Subjekt, desto komischer sein Sturz - sorgt sie daher als erstes für die Aufbereitung der erforderlichen Fallhöhe. Daß es sich bei den beiden um die Subjekte der Weltwirtschaftsordnung handelt, braucht sie nicht groß zu beweisen. Einerseits kann sie da an bestens verankerte Vorstellungen ihrer Adressaten anknüpfen. Andererseits versteht sie sich darauf, das Bild einer obersten Planungsbehörde des Kapitalismus dadurch zu bekräftigen, daß sie es mit intimen Details über deren Entscheidungsabläufe ausschmückt:

"Aufgebaut wurde eine zentrale Umweltabteilung mit insgesamt 3 Arbeitseinheiten, die dem für die Sektorpolitik zuständigen Vizepräsidenten der Weltbank zugeordnet ist. 22 Experten... zusätzlich zu diesem Sektorreferat wurden weitere ca. 3 Planstellen für Umweltexperten in den vier Regionalabteilungen eingerichtet." (8)

Daß die "IWF- und Weltbankstrategen" den Gang der Weltwirtschaft bestimmen:

"Die Weltbank verändert... Dritte-Welt-Länder." (1),

versteht sich da von selbst; irgendwie verstehen diese Entscheidungsträger sich ja selber so. Was sie verfügen, verblaßt zur Unwesentlichkeit angesichts der Vorstellung, daß sie als Subjekte eh alles in der Hand und im Griff haben. Ist das nun gut oder schlecht?

Sowohl als auch, meint die "taz". Das Regeln an sich begrüßt sie, dessen "nähere Bestimmung" - hier ist (nur) eine Instanz für die Direktive zuständig - gibt ihr aber schwer zu denken.

So hat die "taz" auf der einen Seite an den beiden transnationalen Bösewichtern erstmal überhaupt nichts auszusetzen. Für sie spricht, wofür sie stehen sollen:

"Der IWF reiht sich in das "grand design" einer internationalen Weltwirtschaftsordnung ein, das sich als multilaterales, freihändlerisches System des Warenaustausches in Kombination mit einem fixen Wechselkurssystem beschreiben läßt." (2)

Wenn sich die Weltwirtschaft als kosmo-politisches Pfundsding mit vielen Seiten und ebensovielen Kilo Freiheit "beschreiben" läßt, so ist das prima, weil es dem, der aufs Design großen Welt legt, zeigt, daß auf es alle Mühe verwandt wurde. Für sie spricht weiter, daß sie ihre Regelungstätigkeit nicht nur in idealistische Worte zu kleiden, sondern diese sogar in die Wirklichkeit erfolgreich umzusetzen versteht:

"Die Weltbank wurde ganz auf die Finanzierung von Entwicklungsvorhaben umgestellt und avancierte damit zur einflußreichsten multilateralen Entwicklungsinstitution.

Bis zum Ende der 50er Jahre richteten sich die Weltbank-Aktivitäten hauptsächlich darauf, in den einzelnen Staaten ein günstiges Klima für private und ausländische Direktinvestitionen herzustellen." (1)

Der Wiederaufbau nach dem Krieg beweist: Entwicklung = Kapitalismus geht zu machen, sofern dei Wille zu ihm vorhanden ist, denn die Schönwetterlage des Kapitalismus ist das Verdienst seiner Medizinmänner.

Auf der anderen Seite soll man sämtliche, eben noch mit Interesse studierten Reklameschriften von IWF und Weltbank in den Papierkorb befördern und sich an eine andere traditionsreiche Lesart für "günstiges Klima" und "Entwicklung" erinnern:

"Seine (des IWF) Aufgabe ist es, ein Weltwirtichaftsregime steuemd zu kontrollieren, das optimale Verwertungsbedingungen fürs Kapital herzustellen versucht... Es geht insgesamt um die Sicherung kapitalistischer Verwertungsstrukturen." (2),

Mit dieser Lesart ist keine Theorie eingeleitet, sondern der Übergang zu einem vorwurfsvollen Bild der Weltwirtschaft gemacht: "Tanz der Vampire" heißt der Titel der Serie. Diese schlechte Meinung über IWF und Weltbank zehrt vom selben abstrakten Urteil über sie wie die Hochachtung vor ihrem besseren Auftrag. Wenn ein Subjekt über die Geschicke der Welt verfügt, so ist, ein wenig anders betont, die andere Seite offensichtlich nicht das Subjekt. Wo nur einer bestimmt, liegt kein "partnerschaftliches Verhältnis" vor, sondern "Diktat". So wird aus ihrer angeblichen Leitungsfunktion ein Argument gegen IWF und Weltbank fabriziert, das sie unabhängig von jeglicher Zwecksetzung mit dem Verdacht belegt, das Schlimmste, nämlich die Unterdrückung, zu wollen. Das eben noch treuherzig wiedergegebene "grand design" bekommt einen ganz und gar negativen Beigeschmack: Nicht multi, sondern mono; statt freiem Warenhandel macht sich Kapitalismus bemerklich; und Verwertung hat immer nur die eigenen Strukturen im Sinn anstelle der Interessen des ausgezutzelten Partners, sich selber zum ausgewachsenen Vampir entwickeln zu dürfen.

...und ihn dann der Lächerlichkeit überführt

Der Nachweis, daß IWF und Weltbank zum Scheitern verurteilt sind, ist für die Schlaumeier von der "taz" ebenso einfach zu haben wie ihre Behauptung, daß es sic bei ihnen um das oberste Steuerungsgremium des Kapitalismus handelt. Dem Ideal der Lenkung der Weltwirtschaft - völlig losgelöst von der Überlegung, womit diese Behörde nicht zurandekommt, wogegen sie zu kämpfen hat und was ihr zu schaffen macht, wenn es denn schon ihr Dilemma sein soll, das unbedingt über sie vermeldenswert ist - stellen sie schlicht den Augenschein der Konkurrenz gegenüber, die sich gar nicht lenken läßt. So gesehen ist der IWF gar nicht das Subjekt, zu welchem er sich stilisieren läßt. Und schon ist er gescheitert, weil die "taz" die Tatsache, daß neben dem IWF und gegen den IWF ein Weltmarkt für allerlei widrige Wirkungen sorgt, als Blamage des IWF ausmalt. Weil die Weltwirtschaft nicht sein Produkt ist, bewirkt er nichts - und fertig ist der Pappkamerad, dessen tatsächliche Leistungen mit der Erheiterung über ein ziemlich generelles Unvermögen in der Versenkung verschwinden:

"Die Weltbank denkt - der Feudalismus lenkt" (5) heißt eine Überschrift, unter der folgendes über die Sinnlosigkeit des IWF vermeldet wird, den Philippinen ein Wunder tun zu wollen:

"...die am Forschungsinstitut in Manila unter Idealbedingungen erprobten Wundersaaten bringen in den meist bergigen Regionen, wo die Mehrzahl der Kleinbauern lebt, nur Verluste. Der ausgebrachte Dünger wird schon vom ersten Sommerregen von den durch jahrzehntelangen Raubbau ausgelaugten Feldern gespült, und durchschnittlich 10 Taifune im Jahr zerstören etwa ein Dritteljeder Ernte... Die Taifune gehen nicht nur über die Felder. 1983 und 1987 etwa wurden bis zu 80 Prozent der Hütten weggeblasen... die Geldverleiher nehmen 10 Prozent Zinsen im Monat... seit 1976 steigen die Produktionskosten drei mal so schnell wie die Reispreise. Selbst von einer guten Ernte geht mindestens ein Drittel des Erlöses an die Chemie-Lieferanten..." (5)

Die Fortschrittsgläubigkeit der Weltbank kann einpacken angesichts des Beharrungsvermögens des philippinischen "Feudalismus", der neben dem Wetter seine Stütze in völlig überholten Wucherzinsen und der Geschäftstüchtigkeit von Shell und Bayer AG hat. So verdammen Weltmarkt nebst "taz" das Treiben des IWF zur Sinnlosigkeit. Erstens ändert sich nichts - mit der Stilisierung der längst durch den Weltmarkt umgekrempelten Lebensbedingungen der philippinischen Bauern zum "Feudalismus" ergreift die "taz" mal wieder Partei für "den Fortschritt", so als ob der nicht einer des Kapitalismus wäre. Zweitens bewirkt der IWF angeblich das Gegenteil dessen, was er bezweckt: Wundersaaten sind ein Zeichen verfehlter Planung. Mit mehr "angemessenen" bescheideneren Mitteln sollen die Interessen von IWF, philippinischer Regierung, Kapital (nicht zu groß) und Bergbauern (nicht zu klein) unter einen Hut zu bringen sein. So nimmt die "taz" den Standpunkt eines Planers ein, der alle Gegensätze ohne ihre Subjekte aus der Welt schaffen will. Als alternatives Weltblatt tut sie das natürlich nur - im Namen der armen Bauern.

Von der Unabänderlichkeit der Dinge

So zwingt also ein Übersubjekt namens "weltwirtschaftliche Strukturen" die Herren von der Weltbank in die Krise.

Erstens behindert es löbliche Vorhaben:

"Vor allem aber hinderten die weltwirtschaftlichen Strukturen die "Reaktivierung" der Volkswirtschaften." (3)

Zweitens verfügt es über die Fähigkeit, Erfolge zu bewirken, mit deren "fremden Federn" der IWF sich daher nicht "schmücken" darf. Die aparte Frage, wem das Verdienst, Südkorea -"entwickelt" zu haben, zusteht, muß eindeutig zugunsten der Weltwirtschaft entschieden werden:

"Südkorea gelingt es vor allem, die Exporte in die USA enorm zu steigern... Seit Mitte 1985 profitiert Südkorea von den "three lows" der Weltwirtschaft, den niedrigen Ölpreisen, den fallenden Zinsen auf den internationalen Kreditmärkten und dem sinkenden Dollar." (19)

Die Weltwirtschaft - ein Glück für Südkorea. Aber auch für die "taz", die nun berechtigterweise dem IWF seine "Vorzeigeländer" abknöpfen kann, um seine armselige Versagernatur zum Vorschein zu bringen.

Drittens beherrscht die Weltwirtschaft mittels ihrer Strukturen nicht nur den Weltmarkt, sondern auch dessen Aufsichtsbehörde. Die Weltbank, die der Weltwirtschaft so wenig an eigenen "Impulsen" aufzunötigen versteht, ist mithin Diener eines fremden Herrn:

"Das gigantische Darlehensprogramm während der 70er Jahre... war nicht zuletzt begünstigt durch die enorme Liquidität auf den internationalen Kapitalmärkten. Als weltweit agierender Finanzvermittler mußte selbstredend auch die Weltbank den verstärkt anlagesuchenden Investoren attraktive Möglichkeiten schaffen." (1)

Mit ihrem gigantischen Programm, für das sie einerseits nichts kann, richtet sie andererseits nichts als Schaden an: Ein Kredit, nach dem "eigentlich" keine Nachfrage besteht - erst durch die beflissenen Aktivitäten der Weltbank sollen ja "Möglichkeiten geschaffen" worden sein, die ohne sie nie existiert hätten, sprich: besser unterblieben wären -, ist eine Versündigung an den von der "taz" aufgedeckten Gesetzmäßigkeiten eines funktionierenden Kreditwesens. Und die lauten: Beim Kredit kommt es - weder auf das Geschäft, das sich für Banken und Kapitalisten mit ihm machen läßt, noch auf die politischen Interessen seiner Geber, sondern: - aufs Zurückzahlen an. Daß man so eine sinnlose Operation auch lassen kann, fällt der "taz" nicht auf, der ein möglichst allseitiger Nutzen des Kredits ins Auge sticht, so wie sie die Sorge blendet um dessen reibungslose Abwicklung: Wenn alle fleißig zurückzahlen, geht garantiert nichts schief. So entdeckt sie an der Ausdehnung des Kredits über das "vernünftige Maß" - die Prozentzahlen, die die Stabilität der Weltwirtschaft, das Geschäft der Banken und die Entwicklung der "3. Welt" garantieren, werden allerdings nicht angegeben - den Grund, der die Wirtschaft in eine weltweite "Strukturkrise" stürzt. Ein Kredit, bei dem die Rückzahlungsmöglichkeiten des Nachfragers nicht bedacht werden, so daß nur dessen Ausdehnung zu sich auftürmenden "Schuldenbergen" die Fortsetzung der Beziehung gestattet, ist also ein Verstoß gegen die Prinzipien des Geschäfts - und nur mit der Macht und den Manipulationskünsten der Mächtigen zu erklären. Sie zwingen ihren Schuldnern die Schuld auf, nötigen Entwicklungsländer zu Krediten, die sie nicht brauchen: und schon sitzen die zum "Konsumrausch" (12) und schlimmerem (Gigantomanie etc.) Animierten in der "Schuldenfalle".

Im Verein mit den Staatschefs der Entwicklungsländer fordert die "taz" also Kredit: denn er fördert "die Entwicklung" und darf den nach ihm süchtig gemachten Opfern nicht verwehrt werden. Im Verein mit dem Entwicklungshilfeministerium und sich selbst - denn wo gibt es die Instanz, die sich wirklich, nämlich so wie die "taz", für die "Lösung des Weltschuldenproblems" einsetzt: - malt sie die Gefahren des Kredits an die Wand: Er untergräbt "die Entwicklung" und ist nicht der Weg aus der Krise, weil ja dann noch mehr von ihm da ist. So zweischneidig ist der Kredit, weil an ihm selbst nichts kritikabel, dessen Höhe aber um so bedenklicher erscheint.

Viertens sind IWF und Weltbank Opfer ihrer eigenen Strukturen. Erst schaffen sie den Weltmarkt, dann müssen sie ihm dienen und am Schluß sitzen sie mit allen Opfern in der Falle. Da schaffen sie "Strukturen der Anpassung", denen sie sich dann anzupassen haben. Selbst ansonsten harmloser Wandel läßt sich noch als Zeichen des Scheiterns interpretieren: Sie verändern die 3. Welt - und was kommt dabei raus: "Die Weltbank verändert auch sich selbst." Na sowas!

Und so immer weiter und so ewig fort.

Alternativen

Wer mehr als 20 Folgen lang dem letzten administrativen Pfurz von IWF und Weltbank nachspürt, der findet diese Gegenstände zumindest hochinteressant. Der mag die Probleme, die sich an ihm aufwerfen lassen. Mit der gebotenen Vorsicht, versteht sich!, und durchaus alternativ widmet sich die Serie deren Lösung. So muß man sich beispielsweise ernsthaft fragen, ob die Weltbank zur Lösung des "Umweltproblems" beitragen kann: "Ein netter grüner Gigant" - Fragezeichen! (8), "Die Grüne Revolution" (5). Schwierig, schwierig kann man da nur sagen, weil die Kapitalknechte natürlich zu sehr auf chemo-technischen Gigantismus und zu wenig auf die einfache Lösung der Plackerei setzen:

"Allein durch arbeitsintensive Maßnahmen wie das Einhalten exakter Pflanzabstände, mehrmaliges Unkrautjäten und minimalen Düngereinsatz wurde dort der Ertrag pro Hektar mehr als verdoppelt." (5)

Natürlich muß frau auch noch in "Kleckerkredite für den Faktor Frau - Der neue 'kolonial(isierend)e' und 'hausfrauisierende' Kleinkredit der Weltbank" (4) zu Wort kommen. Die Weltanschauung eines tazlers wäre ja auch nicht vollständig, wenn nicht eine reale Tussi die mangelnde Aufmerksamkeit der Weltbank - sie kleckert statt klotzt - für den Feminismus bejammerte und die Vokabeln "Vergewaltigung" und "Penetration" in die Ökonomie einführte.

Mit dieser Sorte konstruktiv gemeinter Kritik steht die "taz" noch nicht einmal allein. Erfreut stellt man/frau fest, daß es Opposition i m Weltwirtschaftssystem schon gibt, und zwar nicht nur ohnmächtig von unten, sondern an maßgeblicher Stelle. Die Konkurrenz, die die Europäer - und da speziell die BRD - den Amerikanern um die Benutzung der Drittweltstaaten aufmachen, kommt der "taz" da gerade recht:

"Kongreß paradox: Die vereinzelte linke Opposition in dieser Nadelstreif-Gesellschaft stellten die Vertreter des Bundesministerums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ)... Dr. Fritz Fischer vom BMZ klagte vorsichtig ein, man möge doch die soziokulturelle Dimension (alle Achtung!) auch in Zeiten der Schuldenkrise nicht völlig beiseite drängen." (6)

So gelangt die "taz" doch noch zu einem leicht versöhnlichen Schluß:

"Gerade diese Beispiele vermögen zu zeigen, daß sich der IWF nicht als simple Institution des Imperalismus gegenüber der Dritten Welt beschreiben läßt." (2)

Na dann, auf zum antiimperialistischen Protest nach Westberlin!